EU ermittelt gegen Booking.com wegen Betrugsfällen Von Niklas Treppner, dpa

21.10.2026 12:51

Scheinunterkünfte, Identitätsbetrug und Phishing: Die EU-Kommission
prüft, ob Booking.com genug gegen Betrüger unternimmt. Auch die
Transparenz bei Werbung hat Brüssel im Visier.

Brüssel (dpa) - Die Europäische Kommission ermittelt gegen das
Reiseportal Booking.com wegen möglicher Verstöße gegen
Verbraucherschutzvorschriften. Die Plattform steht unter anderem im
Verdacht, nicht genug gegen Betrüger auf der Plattform getan zu
haben, wie aus einer Mitteilung der Brüsseler Behörde hervorgeht. 

Dabei geht es demnach etwa um gefälschte Unterkunftsangebote,
Identitätsbetrug und andere Maschen zum Nachteil von Verbrauchern.
Konkret will die EU-Kommission prüfen, ob sich das Online-Portal mit
niederländischem Firmensitz ausreichend bemüht, diese regelwidrigen
Angebote zu entfernen. 

Booking.com teilte mit, man arbeite uneingeschränkt mit der
Europäischen Kommission zusammen. Man setze sich weiterhin dafür ein,
gemeinsam mit den zuständigen Behörden Online-Betrug zu bekämpfen und

Reisende sowie Partner zu schützen.

Zahl der Betrugsversuche um 500 Prozent gestiegen 

Die Ermittlungen kommen zu einer Zeit, in der Verbraucherschützer vor
einer wachsenden Zahl von Online-Betrugsfällen warnen. Booking.com
selbst berichte von einem Anstieg der Betrugsfälle auf seiner
Plattform um 500 Prozent weltweit, hieß es von Kommissionsbeamten. 

Im ersten Halbjahr 2026 sind demnach 1.072 Betrugsmeldungen
eingegangen, die zu einem Schaden in Höhe von 82.000 Euro führten.
Dies entspreche einer Verzehnfachung im Vergleich zum Vorjahr, so die
EU-Kommission.

Im Fokus der Ermittelungen stehen auch Phishing-Versuche auf der
Buchungsplattform. Phishing ist eine der häufigsten Betrugsmaschen im
Internet. Dabei versuchen Cyber-Kriminelle, durch Antworten auf
gefälschte Nachrichten an sensible Daten wie Passwörter oder
Bankinformationen zu gelangen.

Schützt Booking.com sensible Daten ausreichend? 

Die EU-Kommission untersucht in den Ermittlungen gegen Booking.com,
wie die Plattform Reservierungs- und Gästedaten an
Unterkunftsbetreiber weitergibt und wie das Schreiben von Nachrichten
auf der Plattform funktioniert. Insbesondere soll dabei geprüft
werden, ob das Unternehmen ausreichende Sicherheitsvorkehrungen
getroffen hat, um zu verhindern, dass Daten der Nutzerinnen und
Nutzer missbraucht werden. 

Die Brüsseler Behörde teilte mit, dass die Eröffnung des Verfahrens
noch nichts darüber aussage, ob Booking.com tatsächlich gegen
geltende EU-Regeln verstoßen hat. «Die Europäer sollten ihren Urlaub

buchen können, ohne Angst vor Betrug haben zu müssen», sagte
EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen. 

Die Brüsseler Internetwächter wollen sich zudem genauer ansehen, wie
transparent Booking.com mit bezahlter Werbung umgeht. Konkret geht es
darum, welche Suchergebnisse für einen Aufpreis auf der
Buchungsplattform weiter oben erscheinen und ob diese klar als
Werbung gekennzeichnet sind. 

Anbieter von Unterkünften könnten ihre Angebote in den
Suchergebnissen von Booking.com besser sichtbar machen, indem sie
eine höhere Provision zahlten, teilte die EU-Kommission mit. Nutzer
sollten klar erkennen können, dass es sich bei diesen
«hervorgehobenen Angeboten» tatsächlich um Werbung handele. Die
Verbraucher müssen nach Ansicht Brüssels zudem ausreichend
Informationen dazu haben, wie sie die Einstellungen zur Werbung
selbst ändern können.

Brüssel kann Geldstrafen verhängen 

Grundlage des Verfahrens der EU-Kommission ist das Gesetz über
digitale Dienste (Digital Services Act, kurz DSA). Der DSA soll das
scharfe Schwert der EU gegen große Online-Plattformen sein und gilt
seit Februar 2024. 

Die Brüssel Internetwächter haben auf Grundlage des Gesetzes bereits
zahlreiche Verfahren etwa gegen TikTok, Facebook, Instagram, Snapchat
oder große Pornoplattformen eröffnet. Gegen Elon Musks soziales
Netzwerk X oder die Online-Händler Temu und AliExpress verhängte die
EU-Kommission bereits Millionenstrafen, weil sich die Unternehmen
nach Ansicht Brüssels trotz Ermahnungen nicht an die Regeln hielten.