Putin spricht mit Trump-Gesandtem Witkoff über Ukraine-Krieg
21.10.2026 12:15
In St. Petersburg will US-Unterhändler Witkoff Kremlchef Putin neue
Vorschläge für eine Lösung im Ukraine-Krieg unterbreiten. Putin dankt
dem Gesandten von US-Präsident Trump zu Beginn des Gesprächs.
Moskau (dpa) - In St. Petersburg haben die Gespräche von
US-Unterhändler Steve Witkoff mit Kremlchef Wladimir Putin über den
russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine begonnen. Zum Auftakt gab
Putin die Freilassung eines US-Amerikaners bekannt, der 2024 zu
langer Haft verurteilt worden war, weil er als Söldner an der Seite
der ukrainischen Streitkräfte gegen russische Truppen gekämpft haben
soll.
Stephen Hubbard sei bereits auf dem Flughafen Pulkowo in St.
Petersburg, sagte der Präsident der russischen Nachrichtenagentur
Interfax zufolge. Witkoff dankte Putin für die Freilassung des
75-Jährigen. Hubbards Familie und die Amerikaner seien froh darüber.
Witkoff will nach den Unterredungen mit dem russischen Präsidenten
von Pulkowo abreisen und dürfte Hubbard mitnehmen.
Putin selbst dankte US-Präsident Donald Trump erneut, dass er sich um
eine Beendigung des Ukraine-Krieges bemühe. Von Witkoff erwartet er
Informationen über seine Ukraine-Gespräche am Vortag in Oslo, wie der
Kremlchef im Konstantinpalast sagte. Witkoff nannte die Gespräche in
Norwegen produktiv. Es gebe Fortschritte. Er habe einige Unterlagen
zu den Vorschlägen mitgebracht, über die sich Putin Gedanken machen
könne.
Witkoff hofft auf Wiederaufnahme von Dreier-Verhandlungen
Witkoff äußerte seine Hoffnung auf Wiederaufnahme von
Dreiergesprächen zwischen Russen und Ukrainern unter US-Vermittlung,
wie in einem von Staatsmedien verbreiteten Video zu sehen war. Es
gebe derzeit ein Momentum für die Beendigung des Krieges, sagte
Witkoff. Er hoffe auf konkrete Schritte für einen Friedensprozess.
Witkoff sagte, dass im Verlauf des Gesprächs auch Trumps
Schwiegersohn Jared Kushner per Telefon zugeschaltet werde. Er war
bei den Gesprächen in der Vergangenheit auch persönlich anwesend.
Mit am Verhandlungstisch saßen auch Putins außenpolitischer Berater
Juri Uschakow und sein Beauftragter für internationale
wirtschaftliche Zusammenarbeit, Kirill Dmitrijew. Der Kremlchef
sagte, dass Russland an einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit den
USA interessiert sei. Nach den bereits vereinbarten Diesellieferungen
könne Russland auch Dünger in großen Mengen für den amerikanischen
Markt bereitstellen, sagte Putin. Der erste Tanker mit 40.000 Tonnen
Diesel soll an diesem Donnerstag seine Reise starten.
Ukraine vor neuem Kriegswinter unter Druck
Der US-Unterhändler hatte am Dienstag auch mit europäischen
Spitzenpolitikern in Norwegen gesprochen. Er will Putin die von den
Europäern und Amerikanern erarbeiteten Vorschläge für eine
Friedenslösung in dem russischen Angriffskrieg unterbreiten. Konkrete
Inhalte waren zunächst nicht bekannt. Nach dem Treffen mit Putin wird
Witkoff erneut in Oslo erwartet, um von Putins Reaktion zu berichten.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte, dass er mit dem
norwegischen Regierungschef Jonas Gahr Støre am Morgen in Oslo
weitere Gespräche über Schritte zu einem Frieden geführt habe. Nun
hänge viel davon ab, ob die US-Seite von Putin etwas Neues höre in
Richtung Frieden und nicht zur Fortsetzung des Krieges.
Die Ukraine wehrt sich seit mehr als viereinhalb Jahren mit
westlicher Hilfe gegen den russischen Angriffskrieg. Die Lage hat
sich für das Land in der kalten Jahreszeit angesichts massiver
russischer Angriffe auf die Energieinfrastruktur massiv verschärft,
weil Kiew auch nicht ausreichend Mittel für die Flugabwehr hat.
Russland hofft darauf, mit einem weiteren Kriegswinter den Widerstand
der Ukrainer zu brechen. Selenskyj hatte zuletzt eine Waffenruhe für
gegenseitige Angriffe auf Energieanlagen befürwortet. Putin lehnte
das bisher ab.
