CO2-Handel: EU will Preissprünge für Industrie verhindern
21.10.2026 14:03
Emissionszertifikate sollen beim Klimaschutz helfen - aber das System
auch nicht zu teuer für die Industrie werden, wie die EU-Staaten
mahnten. Es soll angepasst werden.
Brüssel (dpa) - Um Preissprünge für die Industrie zu vermeiden, will
die EU in das Treibhausgas-Handelssystem eingreifen und damit
Klimaschutzregeln anfassen. Unterhändler von EU-Staaten und dem
Europaparlament einigten sich darauf, eine Reserve für
Emissionszertifikate zu erhöhen, wie beide Seiten mitteilten.
Unabhängig davon wird derzeit auch über eine noch weitergehende
Anpassung beraten.
Bestimmte Unternehmen müssen in Europa Zertifikate für den Ausstoß
klimaschädlicher Gase wie Kohlendioxid (CO2) vorweisen und können
nach Bedarf damit handeln. So soll das EU-Emissionshandelssystem
besonders in energieintensiven Sektoren als Anreiz dienen,
Treibhausgase einzusparen. Bislang gilt das System vor allem für
Stromerzeugung und Industrie. Allerdings wurden in den vergangenen
Jahren mehr Emissionszertifikate verfügbar, als von Unternehmen
genutzt wurden.
Nicht genutzte Zertifikate werden in der sogenannten
Marktstabilitätsreserve (MSR) gehalten. Wenn zu viele im Markt sind,
werden einige in die Reserve verschoben. Wenn zu wenige Zertifikate
da sind oder der Preis stark steigt, gibt die Reserve zusätzliche
Zertifikate frei. Das kann die Preise senken und so Unternehmen, die
Emissionszertifikate brauchen, entlasten.
Das soll sich ändern
Bisher werden in der Reserve maximal 400 Millionen Zertifikate
gehalten, darüber hinausgehende werden für ungültig erklärt. Die
Kommission hatte vorgeschlagen, die Obergrenze aufzuheben. Die
Unterhändler von Rat und Parlament einigten sich am Dienstag darauf,
die Obergrenze nicht komplett aufzuheben, wie sie nun mitteilten.
Stattdessen sollen in der Reserve künftig bis zu 700 Millionen
Zertifikate gehalten werden. Dies biete einen größeren Puffer für
Marktschwankungen und schütze gleichzeitig vor einem Überangebot von
Zertifikaten auf dem Markt.
Das steht noch an
Die vorläufige Einigung muss noch von Rat und Parlament gebilligt und
schließlich jeweils formell angenommen werden. Die europäischen
Staats- und Regierungschefs hatten vergangene Woche bei einem Treffen
in Brüssel gefordert, das laufende Gesetzgebungsverfahren zur
Marktstabilitätsreserve schneller voranzutreiben, «um übermäßige
Preisschwankungen zu dämpfen».
Auf diesen Wunsch verwies nun auch der auf Seiten der EU-Staaten
zuständige irische Minister Darragh O'Brien. Man habe eine
ausgewogene Lösung erzielt. Parlament und Rat arbeiten derzeit auch
an einem umfassenderen Kommissionsvorschlag zur Überarbeitung des
Emissionshandelssystems.
