Was die EU-Länder an Cookies im Internet ändern wollen Von Niklas Treppner, dpa
22.10.2026 00:30
Annehmen, Ablehnen oder irgendwas dazwischen: Cookie-Abfragen sind
zur dauerhaften Begleiterscheinung beim Surfen geworden. Eine Idee
aus Brüssel soll das ändern - hat es aber schwer.
Brüssel (dpa) - Die EU-Staaten haben sich gegen einen Vorschlag zur
Reduzierung von aufploppenden Cookie-Bannern im Internet
ausgesprochen. Um den Nutzern mehr Abfragen zu ersparen, wollen die
Mitgliedsländer zwar mehr Ausnahmen für die Betreiber von
Internetseiten schaffen, wie aus einer Mitteilung hervorgeht. Sie
lehnen aber den Vorschlag für eine grundsätzliche, technische Lösung
ab, mit der Internetnutzer die Haltung gegenüber Cookies einmalig
etwa im Browser speichern könnten.
Wie geht es in der Debatte über das unliebsame Phänomen nun weiter?
Die wichtigsten Fragen und Antworten:
Was sind Cookies?
Cookies sind kleine Dateien, die beim Surfen auf dem Onlinegerät
eines Nutzers gespeichert werden. Weil diese Dateien oft eindeutige
Kennungen enthalten, können Webseiten ihre Besucher damit
wiedererkennen. Ein Browser kann sich somit etwa ein Login merken
oder die Inhalte eines virtuellen Warenkorbs. Vor allem machen
Cookies aber personalisierte Werbung möglich.
Betreiber von Online-Shops oder digitalen Plattformen sind nach
europäischem Recht dazu verpflichtet, eine Einwilligung von Kunden
oder Nutzern einzuholen, wenn sie personenbezogenen Daten verarbeiten
wollen. Deswegen gibt es Cookie-Banner.
Was hat die EU-Kommission vorgeschlagen?
Die Europäische Kommission schlug im November 2025 vor, das
Aufploppen der Cookie-Banner zu reduzieren. Statt immer wieder der
Nutzung von Cookies zuzustimmen oder sie abzulehnen, sollten
Internetnutzer ihre Einstellungen zu Cookies dem Vorschlag nach auf
dem eigenen Gerät speichern können. Diese Einstellung würde dann
automatisch an die Seiten übermittelt werden.
Wer Cookies demnach nie oder immer akzeptieren will, müsste dies in
der Regel nur einmal pro Gerät festlegen. Betreiber großer
Internetbrowser, etwa Google Chrome oder Microsoft Edge, sollten dem
Vorschlag der EU-Kommission nach verpflichtet sein, die nötige
technische Lösung einzurichten.
Wie positionieren sich die EU-Länder nun?
Diesen Vorschlag lehnen die EU-Staaten ab. Stattdessen greifen sie
einen anderen Vorschlag der Kommission auf und setzen auf mehr
Ausnahmen für die Betreiber von Internetseiten. Demnach soll es den
Anbietern ohne vorherige Einwilligung ihrer Besucherinnen und
Besucher erlaubt sein, Cookies zur Diensterbringung,
Reichweitenmessung oder IT-Sicherheit zu nutzen.
Was sagen Verbraucherschützer?
Noch vor wenigen Wochen hatten Verbraucherschützer in einem offenen
Brief dazu aufgerufen, an dem Vorschlag der EU-Kommission
festzuhalten. Sie befürchteten eine zu große Einflussnahme der
Werbewirtschaft, die von Cookies enorm profitiert. Die
automatisierten Signale würden das Leben der Nutzer vereinfachen,
sagte Cláudio Teixeira von europäischen Verbraucherschutzorganisation
Beuc. Es sei daher äußerst besorgniserregend, dass die politischen
Entscheidungsträger erwägen würden, diesen Vorschlag zu streichen.
Wie geht es jetzt weiter?
Bevor Änderungen in Kraft treten können, müssen Vertreter der
EU-Staaten und Abgeordnete des Europaparlaments eine Einigung finden.
Eine Positionierung des EU-Parlaments gibt es aber bislang nicht. Da
neben Cookie-Bannern auch zahlreiche andere Änderungen an
Digitalgesetzen diskutiert werden müssen, könnten die Verhandlungen
Wochen oder Monate dauern.
Worum geht es bei den Verhandlungen sonst noch?
Bei der Kompromissfindung wird es auch um die
Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) gehen. Insbesondere kleine und
mittelständische Unternehmen sollen hier von einem Bürokratieabbau
profitieren. Die EU-Staaten sprechen sich etwa dafür aus, dass die
Firmen in risikoarmen Szenarien weniger Informationspflichten
unterliegen sollen.
