EU-Parlament will Klimaregeln wegen Energiekrise verschieben
22.10.2026 13:10
Methanlecks aufspüren, klimaschädliches Abfackeln begrenzen: In der
EU sind Unternehmen dazu bereits verpflichtet. Bei Importen von Öl,
Gas und Kohle könnte sich der Start verschieben. Darum geht es.
Straßburg (dpa) - Angesichts der Energiepreiskrise sollen nach dem
Willen des Europaparlaments bestimmte Klimaschutzregeln für
importierte fossile Brennstoffe erst später als geplant greifen. Die
Abgeordneten stimmten mit 341 Ja-Stimmen, 225 Nein-Stimmen und 6
Enthaltungen dafür, dass Importeure von Öl, Gas und Kohle erst ab Mai
2031 EU-Klimaschutzregeln für das klimaschädliche Treibhausgas Methan
befolgen müssen - gut drei Jahre später als bisher vorgesehen. Damit
gehen sie über den Vorschlag der EU-Kommission hinaus, die die
Pflicht um ein Jahr verschieben will.
Methan ist dem Umweltbundesamt zufolge nach Kohlendioxid das
Treibhausgas mit der zweitgrößten Bedeutung und für Klimaerwärmung
und Luftverschmutzung verantwortlich. Es bleibt zwar kürzer in der
Atmosphäre, ist dafür aber schädlicher als CO2. Methan entsteht in
der Landwirtschaft, auf Mülldeponien sowie in der Öl- und
Gasindustrie.
Schädliches Treibhausgas
Seit 2024 sind in der EU Regeln in Kraft, die die Methan-Emissionen
des Energiesektors senken sollen. So müssen Betreiber von Öl- und
Gasanlagen regelmäßig nach größeren Methanlecks suchen und diese
reparieren. Außerdem ist in den Anlagen das Lüften oder Abfackeln,
wobei Methan in die Atmosphäre freigesetzt wird, unter bestimmten
Umständen verboten.
Eigentlich müssen Unternehmen ab 1. Januar 2027 für bestimmte
Lieferverträge auch nachweisen, dass der Produzent im Herkunftsland
seine Methan-Emissionen mindestens so sorgfältig überwacht und
dokumentiert, wie es die EU von ihren eigenen Unternehmen verlangt.
Diese Pflicht könnte nun erst später greifen.
Die EU-Staaten müssen noch über den Vorschlag beraten.
Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) hatte jüngst bekräftigt,
an der Reduzierung der Methanemissionen festhalten zu wollen.
Energieministerin Katherina Reiche (CDU) zeigte sich zuletzt offen
für mehr Flexibilität. Eine Änderung kann nur in Kraft treten, wenn
sich Parlament und Länder einigen.
«Gegen den Klimaschutz» oder für die Versorgungssicherheit?
Die Grünen-Abgeordnete Jutta Paulus kritisierte den Plan. «Wieder
einmal machen Konservative und Rechtsextreme Politik gegen den
Klimaschutz und für die fossile Industrie.» Man beuge sich Drohungen
der Industrie und der US-Regierung. «Es ist absolut nicht
nachvollziehbar, warum man in Zeiten der Energiepreiskrise Gas
ungenutzt abfackelt oder entweichen lässt.»
Die beiden CDU-Abgeordneten Christian Ehler und Andrea Wechsler
sprachen dagegen von einer «Frage der politischen Verantwortung». «Es
geht um unsere Versorgungssicherheit und bezahlbare Energie.»
Methanemissionen müssten reduziert werden, um die Klimaziele zu
erreichen. Aber es brauche noch Anpassungen bei den gesetzlichen
Vorgaben.
