EU-Staaten für neue europaweite Unternehmensform

23.10.2026 13:31

Die Vision: Gründer sollen künftig schnell und digital ein
Unternehmen gründen können, das in der ganzen EU tätig sein kann. Was

bedeutet das für Mitarbeiter? Die EU-Staaten haben eine Vorstellung.

Brüssel (dpa) - Die EU-Staaten haben sich auf ihre Vorstellungen für
eine neue EU-weite Unternehmensform geeinigt. Wer sich für die
sogenannte EU Inc. entscheidet, soll das Unternehmen demnach
innerhalb von zwei Tagen online registrieren können, für eine Gebühr

von maximal 100 Euro, und dann im ganzen Binnenmarkt tätig sein
können. 

Besonders umstritten ist, welche Rechte Mitarbeiter künftig auf
Beteiligung etwa in Betriebsräten haben, wenn das Unternehmen in
mehreren EU-Staaten aktiv ist. Europäische Gewerkschaften haben davor
gewarnt, dass Unternehmen sich bewusst entscheiden könnten, sich dort
zu registrieren, wo Arbeitsschutzstandards niedrig sind. 

Staaten sollen Mitarbeiterrechte schützen können

Die Einigung der Staaten sieht nun laut Pressemitteilung des Rates
vor, dass grundsätzlich wie von der EU-Kommission vorgeschlagen die
Regeln des Staates greifen, in dem das Unternehmen registriert ist.
Wenn das Unternehmen auch in einem anderen EU-Staat aktiv ist und
dort bestimmte Grenzwerte zur Beteiligung überschritten werden, soll
der Staat aber Maßnahmen ergreifen können, um die Einhaltung
sicherzustellen. 

Die Staaten unterstützen zudem die Möglichkeit,
Aktienoptionsprogramme für Mitarbeiter aufzulegen, «um Talente zu
gewinnen und zu binden» - allerdings nur für «kleine mittelständisc
he
Unternehmen» mit maximal 750 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz
nicht über 150 Millionen Euro. 

Solche Optionen geben Mitarbeitern das Recht, später Anteile am
Unternehmen zu einem vorab festgelegten Preis zu kaufen. Start-ups
setzen sie teilweise ein, um auszugleichen, dass sie im Vergleich zu
größeren Unternehmen weniger Gehalt zahlen. Mit der «EU Inc.» solle
n
auch bestimmte steuerrechtliche Fragen dazu einheitlich geregelt
werden. Gründer hatten darauf hingewiesen, dass die Eingrenzung auf
eine bestimmte Unternehmensgröße wachsende Unternehmen treffe. 

Hindernisse für Expansion in den Binnenmarkt

Hintergrund der Pläne ist der Wunsch, Europas Wirtschaft und ihre
Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Als ein Problem gilt, dass
Unternehmen auf dem europäischen Binnenmarkt mit 27 nationalen
Rechtsformen und Regeln zu tun haben. Das sorgt für zusätzliche
Kosten. 

«Diese Maßnahme wird für Start-ups und kleine und mittlere
Unternehmen, die EU-weit expandieren wollen, einen spürbaren und
praktischen Unterschied machen. Es wird einfacher, ein Unternehmen zu
gründen, talentierte Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten sowie die
Vorteile des Binnenmarktes, einer der größten Stärken Europas, besser

zu nutzen», teilte der irische Regierungschef Micheál Martin zur
Einigung der Staaten mit. Irland hat derzeit den rotierenden
Ratsvorsitz inne. 

Das Europaparlament muss seinen Standpunkt noch beschließen. Ohne
Einigung zwischen Parlament und den Vertretern der Regierungen der
Mitgliedstaaten wird das Vorhaben nicht umgesetzt.