Griechenland verbietet soziale Medien für unter 15-Jährige
23.10.2026 15:33
Griechenland zieht bei sozialen Medien für Kinder unter 15 Jahren
eine klare Grenze. Das Gesetz nimmt Plattformen und Eltern in die
Verantwortung - wie soll die Alterskontrolle funktionieren?
Athen (dpa) - Das griechische Parlament hat ein Social-Media-Verbot
für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren verabschiedet. Die
Regelung soll am 1. Januar 2027 in Kraft treten, wie der
öffentlich-rechtliche Sender ERT News berichtete. Griechenland gehört
damit zu den ersten EU-Ländern, die ein solches Verbot einführen.
Während der mehrstündigen Debatte verteidigte der Minister für
digitale Regierungsführung und künstliche Intelligenz, Dimitris
Papastergiou, die Neuregelung als notwendige, wirksame und
verhältnismäßige Maßnahme, die mit EU-Recht vereinbar sei. «Es w
äre
heute sehr einfach, überhaupt nichts zu tun und auf das perfekte
europäische Gesetz zu warten», sagte er. Die unkontrollierte
Internetnutzung, die Kinder abhängig machen und ihrer psychischen
Gesundheit schaden könne, dürfe nicht weitergehen, betonte der
Minister.
Plattformen und Eltern in der Pflicht
Die Plattformen müssen künftig das Alter ihrer Nutzer überprüfen.
Dabei soll unter anderem die App «Kids Wallet» helfen, die vom
griechischen Ministerium für digitale Regierungsführung entwickelt
wurde. Die Regierungs-App für Smartphones soll Eltern dabei
unterstützen, ihre Kinder im Internet zu schützen. Dazu verknüpfen
sie die App mit den Daten ihres Kindes. Bei einer Altersprüfung kann
dann digital bestätigt werden, ob die Altersgrenze erreicht ist, ohne
dass die Plattform sämtliche persönlichen Daten des Kindes erhält.
Als erstes EU-Land hatte im vergangenen Juli Frankreich ein Verbot
sozialer Netzwerke für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren
eingeführt. Der Verfassungsrat kippte das Gesetz jedoch im August
2026 mit der Begründung, es greife unverhältnismäßig in die Freihei
t
der Meinungsäußerung und Kommunikation ein. Frankreichs Präsident
Emmanuel Macron will dennoch daran festhalten. Er beauftragte
Premierminister Sébastien Lecornu mit einer rechtssicheren
Neufassung.
EU-Lösung geplant
Für eine EU-weite Lösung zum Schutz Minderjähriger im Internet hatte
die EU-Kommission im September den EU Kids Act vorgelegt. Er sieht
unter anderem ein Social-Media-Verbot für unter 13-Jährige und eigene
Konten erst ab 15 Jahren vor. Über den Vorschlag beraten derzeit das
EU-Parlament und die Mitgliedstaaten.
