Agrarminister Rainer will Ausnahme für Heringfischer sichern
26.10.2026 12:49
Dürfen Fischer an der deutschen Ostseeküste im nächsten Jahr weiter
im Rahmen von Ausnahmen Hering fangen? Bundesminister Rainer spricht
sich in Luxemburg dafür aus.
Luxemburg (dpa) - In den Verhandlungen um die Fischereiquoten in der
Ostsee für 2027 will sich Bundesernährungsminister Alois Rainer (CSU)
für die sogenannte kleine Küstenfischerei einsetzen. «Der
Kommissionsvorschlag geht gerade beim westlichen Hering zu weit und
die Beibehaltung der Ausnahmen, wie wir sie jetzt haben, ist mir,
aber vor allem unserer Fischerei, sehr, sehr wichtig», sagte Rainer
vor einem zweitägigen Treffen der zuständigen Ministerinnen und
Minister in Luxemburg. Sie wollen festlegen, wie viel Hering, Dorsch,
Scholle, Lachs und Sprotte im kommenden Jahr in der Ostsee gefangen
werden darf.
Hering darf in der an Deutschland grenzenden westlichen Ostsee
weitgehend nicht gezielt gefischt werden. Es gibt aber eine Ausnahme:
Mit Booten unter zwölf Metern dürfen Fischer mit passivem Fanggerät,
also etwa Stellnetzen, weiterhin gezielt Heringe fischen. Ansonsten
darf Hering dort nur noch als unbeabsichtigter Beifang angelandet
werden.
Oft lange Verhandlungen
Die EU-Kommission hat vorgeschlagen, die dabei erlaubte Fangmenge im
kommenden Jahr auf 437 Tonnen fast zu halbieren (2026: 788 Tonnen).
Einem ähnlichen Vorschlag waren die zuständigen Ministerinnen und
Minister im vergangenen Jahr nicht gefolgt. Die Verhandlungen über
die Fangquoten sind traditionell schwierig und ziehen sich oft über
Stunden bis in die Nacht, manchmal auch in den nächsten Tag.
Rainer sagte, es sei wichtig, zwei Ziele unter einen Hut zu bekommen:
«Nämlich die Erholung der Bestände in der Ostsee und Erhalt der
wirtschaftlichen Grundlage für die deutsche Küstenfischerei.» Er
warnte vor dem Verlust von der Existenzgrundlage der Fischer, sollte
der westliche Hering wegfallen. Auch das Thünen-Institut sehe dort
durch die Ausnahmen keine Gefahr für die Erholung des Bestandes.
Einfluss auf Heringsbestand?
Fischereiexperte Christopher Zimmermann, der das Rostocker
Thünen-Institut für Ostseefischerei leitet, hatte der Deutschen
Presse-Agentur gesagt, dass die zuletzt noch zugelassene Fangmenge
für Hering der westlichen Ostsee keinen messbaren Einfluss mehr auf
die Bestandsentwicklung habe.
Der Naturschutzbund (Nabu) sieht das anders. «Angesichts der
dramatischen Bestandssituation kommt es heute auf jede Tonne
laichbereiten Herings an, damit sich die Bestände trotz der
zusätzlichen Belastungen durch die Klimakrise erholen können», sagte
Kim Cornelius Detloff, Leiter Meeresschutz beim Nabu Bundesverband.
«Vor diesem Hintergrund wirken auch die bisherigen Ausnahmen für die
passive Heringsfischerei in der westlichen Ostsee nicht mehr
zeitgemäß.»
Minister Rainer verwies mit Blick auf die Lage der Fischer zudem
darauf, dass Deutschland der Küstenfischerei zur Sicherung der
Wettbewerbsfähigkeit 21 Cent je Liter Diesel erstattet habe. Die
Beihilfen wurden jüngst wegen der hohen Diesel-Preise bis Ende des
Jahres verlängert.
