Nach 200 Millionen Euro EU-Strafe: Was Temu nun ändern will

26.10.2026 13:45

Gefährliches Babyspielzeug und unsichere Ladegeräte: Die
EU-Kommission warf dem chinesischen Online-Marktplatz Temu vor,
EU-Recht zu brechen. Künftig sollen Verbraucher besser geschützt
werden.

Brüssel (dpa) - Der Online-Riese Temu gelobt nach einer EU-Strafe von
200 Millionen Euro Besserung beim Verbraucherschutz und legt der
Europäischen Kommission Änderungsvorschläge vor. Das Shoppingportal
soll künftig etwa prüfen, ob seine Empfehlungsalgorithmen illegalen
Produkten bei der Verbreitung helfen, wie die Brüsseler Behörde
mitteilte. Die Kommission akzeptierte die Vorschläge zunächst. Temu
hat nun vier Monate Zeit, sie umzusetzen. 

Was die Brüsseler Internetwächter Temu vorwarfen 

Die EU-Kommission hatte Temu im Mai eine Strafe von 200 Millionen
Euro auferlegt. Die Behörde warf dem Unternehmen vor, Verbraucher
nicht genügend vor illegalen Produkten zu schützen und die Risiken
auf seiner Plattform zu unterschätzen. Das sei ein schwerer Verstoß
gegen das EU-Gesetz über digitale Dienste (Digital Services Act, kurz
DSA). 

Bei Testkäufen im Jahr 2025 seien demnach viele Artikel
durchgefallen. Ladegeräte hätten grundlegende Sicherheitstests nicht
bestanden. Ein «hoher Prozentsatz» der getesteten Babyspielzeuge habe
Chemikalien-Grenzwerte überschritten oder es habe Erstickungsgefahr
wegen abnehmbarer Teile gegeben, so die Brüsseler Internetwächter. 

Wie Temu tägliche Strafzahlungen vermeiden will 

Temu hat sich laut EU-Kommission nun bereiterklärt, die
Risikobewertung auf seinem Marktplatz künftig auf aktuelle und
verlässliche Daten zu stützen und genau auf den eigenen Dienst
zuzuschneiden. Auch den eigenen Empfehlungsalgorithmus müsse das
Unternehmen in diesem Zusammenhang prüfen. 

Mit belastbaren Kennzahlen soll das Unternehmen belegen, ob seine
Schutzmaßnahmen die Verbreitung illegaler Produkte tatsächlich
verringert. Zudem muss Temu offenlegen, wo automatische und manuelle
Kontrollen von Angeboten der Händler auf dem Online-Marktplatz an
Grenzen stoßen. Schließlich muss der Konzern untersuchen, wie Händler

die Funktionen der Plattform gezielt ausnutzen, um illegale Angebote
zu verbreiten.

Sollte die Europäische Kommission entscheiden, dass Temu nicht genug
zur Einhaltung der EU-Regeln tut, könnte sie nach der Millionenstrafe
aus dem Mai auch tägliche Strafzahlungen für das chinesische
Unternehmen anordnen. Das Verfahren gegen Temu läuft bereits seit
knapp zwei Jahren.