Slowakischer Außenminister erntet Kritik für Moskau-Besuch
26.10.2026 16:58
Trotz des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine besucht der
slowakische Außenminister Moskau. Er wolle mit Russland im Dialog
bleiben, sagt er. Die slowakische Opposition verurteilt den Besuch.
Bratislava/Moskau (dpa) - Der slowakische Außenminister Juraj Blanar
hat mit einer Wirtschaftsdelegation Russland besucht und dafür Kritik
von der Opposition in seinem Land geerntet. Der zur linksnationalen
Partei «Richtung - Slowakische Sozialdemokratie» (Smer-SD) von
Ministerpräsident Robert Fico gehörende Blanar traf in Moskau mit
seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow zusammen und nahm an der
Sitzung einer bilateralen Wirtschaftskommission teil.
Die gemischte slowakisch-russische Kommission war zuletzt vor fünf
Jahren zusammengetreten. Wegen des russischen Angriffskriegs auf die
direkt an die Slowakei grenzende Ukraine war sie jedoch vorerst
eingestellt worden. Dass die Kommission nun wiederbelebt wurde,
rechtfertigte Blanar in einer Pressemitteilung des Außenministeriums
in Bratislava mit wirtschaftlichen Notwendigkeiten.
Abhängigkeit von russischen Energielieferungen
«Die Slowakische Republik wird weiterhin ihre nationalstaatlichen
Interessen verfolgen und die Zusammenarbeit mit der Russischen
Föderation in den Bereichen weiterentwickeln, die nicht von
Sanktionen (der EU) berührt werden», wurde der Minister in der
Mitteilung zitiert. Man wolle trotz der entschiedenen Verurteilung
des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs weiter mit Russland im Dialog
bleiben.
Die Slowakei ist traditionell von russischen Energielieferungen
abhängiger als andere EU-Länder. Fico hatte deshalb immer wieder
kritisiert, dass EU-Sanktionen für Gas, Öl und Uran seinem Land mehr
schaden würden als Russland selbst.
Der konservativ-populistische Oppositionspolitiker Gabor Grendel
bezeichnete Blanars Moskau-Reise jedoch als «internationale Schande»
für die Slowakei, die dem Land «trotzdem kein billigeres Öl und Gas
»
bringe. Der liberale Ex-Außenminister Ivan Korcok nannte Blanar einen
«Totengräber der slowakischen Außenpolitik». Auch andere Vertreter
der Opposition in Bratislava kritisierten den Minister heftig und
warfen ihm unter anderem «Verrat» vor.
