Umfrage: Skepsis in Deutschland gegenüber neuartigen Lebensmitteln
26.10.2026 17:26
Fleisch aus dem Labor, Protein wie aus dem Ei, aber ohne Huhn - es
wird an vielen innovativen Lebensmitteln gearbeitet. Viele Deutsche
fühlen sich schlecht informiert. Was sie besonders sorgt.
Brüssel (dpa) - Bei Lebensmitteln, die aus tierischen Zellen oder
Teilen von Tieren gezüchtet werden, ist die Skepsis in Deutschland
einer Umfrage zufolge groß. 67 Prozent der im Auftrag der
EU-Kommission Befragten gaben an, dass sie sich beim Verzehr solcher
Produkte unwohl fühlen würden. Im EU-Durchschnitt fallen die
Vorbehalte etwas geringer aus (62 Prozent).
Untersucht wurde die Haltung zu verschiedenen sogenannten innovativen
Lebensmitteln. Dazu zählen etwa Produkte aus tierischen Zellen oder
neuartige pflanzliche Proteinprodukte.
Für die Umfrage wurden EU-weit 26.456 Menschen ab 15 Jahren befragt.
In Deutschland waren es 1.507 Menschen, die zwischen Mai und Juni
persönlich interviewt wurden.
Bei Obst und Gemüse deutlich offener
Am offensten zeigen sich die Befragten in Deutschland bei
Lebensmitteln wie Obst und Gemüse, die mit modernen Techniken so
entwickelt wurden, dass sie Dürre, Schädlingen oder extremem Wetter
besser standhalten. 55 Prozent würden sich beim Verzehr solcher
Produkte wohlfühlen (EU: 50 Prozent). Bei neuartigen pflanzlichen
Proteinprodukten sind es 50 Prozent (EU: 47 Prozent), bei
Lebensmitteln, die mithilfe von Mikroorganismen hergestellt wurden 49
Prozent (EU: 46 Prozent).
Insgesamt überwiegt dennoch eine zurückhaltende Haltung. 51 Prozent
der Befragten in Deutschland haben eine negative Einstellung zu
innovativen Lebensmitteln, 40 Prozent eine positive. Damit
unterscheidet sich Deutschland kaum vom EU-Durchschnitt (EU: 51
beziehungsweise 39 Prozent).
Chancen für Landwirtschaft und Umwelt
Gleichzeitig sehen viele Befragte Vorteile. 66 Prozent in Deutschland
stimmen der Aussage zu, dass Lebensmittelinnovationen Landwirten und
Herstellern zusätzliche Möglichkeiten geben können, etwa um auf
Klimawandel, Schädlinge, knappe Ressourcen oder Lieferprobleme zu
reagieren (EU: 68 Prozent). 65 Prozent sehen Chancen für Forschung,
Qualifikation und Arbeitsplätze in Europa (EU: 70 Prozent).
Viele fühlen sich schlecht informiert
Zugleich fühlen sich 70 Prozent der Befragten in Deutschland nicht
gut über innovative Lebensmittel informiert (EU: 72 Prozent). Die
größte Sorge sind mögliche langfristige und bislang unbekannte
Auswirkungen auf die Gesundheit. Jeder Zweite in Deutschland nannte
dies als eines seiner größten Bedenken (EU: 43 Prozent). Dass solche
Lebensmittel stark verarbeitet oder unnatürlich sein könnten, nannten
dagegen 27 Prozent (EU: 35 Prozent).
Groß ist zudem der Wunsch nach Transparenz. 85 Prozent der Befragten
in Deutschland stimmen der Aussage zu, dass innovative Lebensmittel
klar bezeichnet werden und transparente Angaben zu Herstellung,
Zusammensetzung und Herkunft enthalten sollten (EU: ebenfalls 85
Prozent).
