Was wird aus der EU-Grenzschutzbehörde Frontex? von Niklas Treppner, Jennifer Brückner und Shireen Broszies, dpa

27.10.2026 04:30

Krisenbewältigung, Abschiebungen, Grenzkontrollen: Frontex hat viele
Aufgaben, soll bald noch mehr können, steht aber auch immer wieder in
der Kritik. Wie sieht die Zukunft des EU-Grenzschutzes aus?

Brüssel (dpa) - Die EU-Grenzschutzagentur Frontex soll Deutschland
und anderen Mitgliedsländern nach Plänen der Europäischen Kommission

künftig mehr bei Abschiebungen helfen können. Die Brüsseler Behörde

legt heute Vorschläge vor, die der Agentur mehr Möglichkeiten und
Ressourcen geben sollen. Auch die Lehren aus der Migrationskrise in
der spanischen Exklave Ceuta mit mindestens 140 Toten sollen dabei
Berücksichtigung finden. 

Was Frontex aktuell macht und welche Rolle sie in der europäischen
Migrationspolitik zukünftig spielen soll:

Was macht Frontex?

Frontex ist die Europäische Agentur für die Grenz- und Küstenwache
mit Sitz in Warschau. Hauptaufgabe und Ziel ist es, die
Mitgliedsstaaten beim Grenzschutz zu unterstützen - etwa bei
Passkontrollen oder der Grenzüberwachung mit Streifen. Auch bei
Abschiebungen kommt die Behörde bereits jetzt unterstützend zum
Einsatz. 

Frontex darf dabei nicht eigenmächtig handeln. Die Verantwortung und
Kontrolle über die Außengrenzen der EU liegen bei den
Mitgliedsstaaten. In der Regel kommt die Agentur nur auf Anfrage oder
nach Genehmigung durch das betroffene EU-Land zum Einsatz. Dort
arbeitet sie dabei mit dem ansässigen Personal wie Polizei oder
Küstenwache zusammen - in Deutschland stellt Frontex etwa speziell
geschultes Personal für Abschiebeflüge. 

Wer arbeitet bei Frontex? 

Frontex soll nach der bisherigen Zielsetzung nächstes Jahr 10.000
Einsatzkräfte haben, die als ständige Reserve zur Verfügung stehen.
Das Personal setzt sich demnach im Wesentlichen aus drei Gruppen
zusammen: 

* Etwa 3.000 fest bei Frontex beschäftigte Offiziere, rekrutiert
aus der EU
* Etwa 7.000 Einsatzkräfte, die von den Mitgliedsstaaten
langfristig oder zeitlich befristet zur Verfügung gestellt werden
* Eine Reserve an Personal aus Deutschland und anderen EU-Ländern,
die bei unerwarteteren Einsätzen zur Verfügung stehen

Für letztere Gruppe war laut EU-Verordnung zuletzt kein Personal mehr
vorgesehen. In Brüssel wird erwartet, dass die EU-Kommission Frontex
in den kommenden Jahren insgesamt mit deutlich mehr Personal
ausstatten will. 

Was soll sich für Frontex noch ändern? 

Bereits bekannt ist zudem, dass Frontex bei Abschiebungen eine
größere Rolle spielen soll. Frontex müsse zur zentralen
EU-Abschiebeagentur gemacht werden, kündigte EU-Migrationskommissar
Magnus Brunner bereits am Wochenende an. Dafür solle ein neues
Abschiebe-Koordinationszentrum errichtet werden, heißt es in einer
Mitteilung. 

Zudem hatte die EU-Kommission nach der Krise in der nordafrikanischen
Exklave Ceuta angekündigt, Frontex mit einer schnellen Eingreiftruppe
ausstatten zu wollen. Ende Juli waren innerhalb kürzester Zeit
schätzungsweise 80.000 Migranten aus Marokko nach Ceuta gelangt und
hatten auch eine diplomatische Krise zwischen Mitgliedsländern
ausgelöst. 

Welche Rolle spielt Frontex bei Grundrechtsverletzungen? 

Frontex steht selbst immer wieder in der Kritik, die Rechte von
Flüchtlingen und Migranten nicht ausreichend zu schützen. In den
vergangenen Jahren ging es dabei besonders um sogenannte Pushbacks
durch nationale Behörden, bei denen Menschen teils gewaltsam
zurückgedrängt wurden - etwa in Griechenland. Frontex wurde
vorgeworfen, solche Vorfälle nicht verhindert oder ausreichend
aufgeklärt zu haben. 

Eigentlich hat die Agentur eigene Kontrollmechanismen: Sie setzt
Beobachter ein, um Einsätze zu begleiten und zu prüfen, ob
Grundrechte - etwa durch die nationalen Behörden - verletzt wurden.
Laut einem Bericht aus dem vergangenen Jahr schloss Frontex die
Prüfung von 42 Vorfällen ab. In sieben dieser Fälle stellte die
Agentur mindestens einen Grundrechtsverstoß fest, in 21 weiteren
Fällen wurde ein Verstoß für wahrscheinlich gehalten. Hinweise kamen

dabei von Medien, Nichtregierungsorganisationen oder
Frontex-Mitarbeitern.