Nach Ceuta: EU-Kommission will Frontex-Reserve verdreifachen

27.10.2026 12:58

Mehr Abschiebungen, mehr Beamte, mehr Befugnisse: Brüssel will beim
EU-Grenzschutz aufrüsten. Auch bei den geplanten Abschiebezentren
außerhalb der EU könnte Frontex eine wichtige Rolle spielen.

Brüssel (dpa) - Nach der Migrationskrise in Ceuta soll Frontex einem
Vorschlag der EU-Kommission zufolge künftig rund dreimal so viel
Personal zur Verfügung stehen. Die ständige Reserve, die sich zum
Großteil aus den abrufbaren Beamten der Mitgliedsländer
zusammensetzt, soll in den kommenden Jahren auf insgesamt 30.000
anwachsen, wie aus einer Mitteilung hervorgeht. Bisher waren für
nächstes Jahr 10.000 Kräfte vorgesehen. 

Frontex soll nach den Plänen der EU-Kommission zudem eine deutlich
größere Rolle bei Abschiebungen spielen und dafür etwa ein eigenes
Koordinationszentrum erhalten. Außerdem soll ein
Online-Überwachungszentrum als Lehre aus der Krise in Ceuta mit
mindestens 140 Toten öffentlich zugängliche Social-Media-Inhalte
beobachten.

Frontex soll aus Nicht-EU-Ländern abschieben dürfen 

Die Brüsseler Behörde schlägt auch vor, Frontex Abschiebungen
zwischen Drittstaaten zu erlauben. Also Menschen, die sich bereits
außerhalb der Europäischen Union befinden, in einen anderen
Nicht-EU-Staat abschieben zu können. Voraussetzung wäre ein
entsprechendes Abkommen mit dem Drittstaat, aus dem abgeschoben
werden soll. 

Das könnte auch für die von Deutschland und anderen EU-Staaten
geplanten Abschiebezentren außerhalb der EU von Bedeutung sein. In
die auch als «Return Hubs» bezeichneten Zentren sollen vollziehbar
ausreisepflichtige Personen kommen, die zunächst nicht in ihre
Herkunftsländer zurückgebracht werden können - etwa, weil das
Heimatland sich weigert, sie zurückzunehmen. 

Falls eine Rückkehr in das Herkunftsland nach Verhandlungen dann doch
möglich werden sollte, könnten Frontex-Mitarbeiter den Transfer
übernehmen. 

Schnelle Eingreiftruppe für Krisen wie in Ceuta 

Für Krisen ist in dem Vorschlag eine schnelle Eingreiftruppe
vorgesehen, die auf Antrag eines betroffenen Mitgliedstaats
kurzfristig an der Grenze eingesetzt werden kann.
EU-Migrationskommissar Magnus Brunner hatte bereits Ende September
angekündigt, eine solche Einheit solle binnen 24 Stunden vor Ort sein
können. 

Anlass für die Idee war die Migrationskrise in der spanischen Exklave
Ceuta Ende Juli, bei der schätzungsweise 80.000 Menschen innerhalb
kürzester Zeit von Marokko aus dorthin gelangten.

Ganz neu ist die Idee einer Truppe für Soforteinsätze nicht. Das
Frontex-Mandat von 2019 sieht bereits vor, dass ein Teil der
ständigen Reserve für Soforteinsätze eingesetzt werden kann (Artikel

54). Bis einschließlich 2024 waren noch 1.500 Mitarbeiter für diese
Aufgabe vorgesehen - in den folgenden Jahren keine mehr. 

Verdopplung der Frontex-Offiziere 

Mit der Aufstockung des Personals soll dem Plan nach auch die
Gründung einer neuen Reserve einhergehen. Bis zu 17.000 aus den
Mitgliedsländern abrufbare Mitarbeiter sollen demnach für die neue
europäische Grenz- und Abschiebetruppe zur Verfügung stehen. 

Das direkt bei Frontex beschäftigte Personal soll von 3.000 auf 6.000
anwachsen, wie die EU-Kommission vorschlägt. Ohnehin für 2027
vorgesehen waren 7.000 Einsatzkräfte, die von den Mitgliedsstaaten
langfristig oder zeitlich befristet zur Verfügung gestellt werden. 

Bevor die Vorschläge umgesetzt werden können, müssen das
Europaparlament und der Rat der EU-Staaten sich damit befassen.

Kritiker: Frontex schützt Rechte von Migranten nicht genug

Frontex steht immer wieder in der Kritik, die Rechte von Flüchtlingen
und Migranten nicht ausreichend zu schützen. In den vergangenen
Jahren ging es dabei besonders um sogenannte Pushbacks durch
nationale Behörden, bei denen Menschen teils gewaltsam zurückgedrängt

wurden - etwa in Griechenland. Frontex wurde vorgeworfen, solche
Vorfälle nicht verhindert oder ausreichend aufgeklärt zu haben. 

Eigentlich hat die Agentur eigene Kontrollmechanismen: Sie setzt
Beobachter ein, um Einsätze zu begleiten und zu prüfen, ob
Grundrechte - etwa durch die nationalen Behörden - verletzt wurden.