Wirtschaftsfaktor Lachsangeln bleibt hiesiger Küste erhalten
27.10.2026 14:11
Hobbyangler dürfen auch 2027 vor der südlichen Ostseeküste Lachse
fangen, einen pro Tag und keine Wildlachse. Fischereiexperte
Christopher Zimmermann erklärt, warum das für die Region wichtig ist.
Luxemburg/Rostock (dpa) - Der Fischereiexperte Christopher Zimmermann
begrüßt, dass Hobbyangler auch künftig vor der hiesigen Ostseeküste
Lachs angeln dürfen. Das sei ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, sagte
Zimmermann, der das Rostocker Thünen-Institut für Ostseefischerei
leitet. «Es gibt Berechnungen, die zeigen, dass die Angelfischer
1.000 Euro für einen Lachs ausgeben.» Sie zahlten dies in Form von
Übernachtungen, Bootsmieten oder etwa Angelgerät, lassen also viel
Geld in der Region. «Und das eben genau in einer tourismusarmen
Zeit.»
Entgegen einem Vorschlag der EU-Kommission dürfen auch 2027
Hobbyangler in der südlichen Ostsee einen Besatzlachs pro Tag angeln.
Darauf einigten sich die zuständigen Ministerinnen und Minister der
EU-Staaten Anfang der Woche. Wildlachse müssen wieder freigelassen
werden. Sie sind daran zu erkennen, dass sie anders als Besatzlachse
eine Fettflosse haben. «Seit der Einstellung der Dorschangelei, die
für die Küstenregion ja auch wichtig war, ist im Grunde Lachs die
wertvollste Art, die wir noch haben», sagte Zimmermann.
Fischerei von Hering und Dorsch «im Grunde geschlossen»
Er begrüßte auch, dass deutsche Fischer 2027 weiter in kleinen Booten
und mit passivem Fanggerät wie Stellnetzen gezielt in der westlichen
Ostsee Heringe fangen dürfen. Eine entsprechende Ausnahmeregelung
wäre nach dem Vorschlag der EU-Kommission ebenfalls weggefallen. Dem
folgten die Ministerinnen und Minister aber nicht.
Andernfalls wäre «der letzte Strohhalm, den diese Fischerei im Moment
für den Übergang hat, geknickt worden», meint Zimmermann. «Faktisch
sind die Fischereien im Grunde geschlossen», sagte er mit Blick auf
Hering und Dorsch in der westlichen Ostsee. Diese Bestände sicherten
früher als sogenannte Brotfische das Auskommen der hiesigen Fischer
ab.
Seit längerem dürfen beide Arten in der westlichen Ostsee nur noch
als unbeabsichtigter Beifang angelandet werden, abgesehen von der nun
verlängerten Ausnahmeregelung beim Hering. Die noch erlaubte
begrenzte Fischerei hat laut Zimmermann keinen messbaren Einfluss
mehr auf die Entwicklung dieser Bestände, die auch unter Umwelt- und
Klimaeinflüssen leiden.
BUND nennt Entscheidungen unverantwortlich
Die erlaubte Fangmenge für Hering in der mittleren Ostsee steigt für
kommendes Jahr, ebenso für den Bestand im Rigaischen Meerbusen und
für Sprotte. Für die hiesigen Küstenfischer spielt dies keine Rolle.
Valeska Diemel, Fischereiexpertin im Meeresschutzbüro des BUND,
nannte die Entscheidungen unverantwortlich und nicht nachvollziehbar.
Obwohl sich der Zustand der Ostsee als gesamtes Ökosystem nicht
verbessere, sondern verschlechtere, würden Quoten für Populationen
erhöht und die Beifangregelungen beibehalten. Sie warnte davor, die
«Fehler der Vergangenheit» zu wiederholen. Vorhersagen würden unter
anderem wegen des Klimawandels immer unzuverlässiger.
Damit Ostseefischerei weiter stattfinden könne, müsse stattdessen in
einen wirklichen Wandel investiert werden. Europa hänge aber bei der
Ausweisung von Schutzgebieten hinterher - dabei seien strenge
Schutzgebiete wichtig, etwa um Laichpopulationen zu schützen.
