EZB dürfte Zinsen trotz steigender Inflation nicht erhöhen
28.10.2026 17:30
Teure Energie wegen des Iran-Kriegs treibt die Inflation nach oben.
Dennoch wird die EZB nach Einschätzung von Volkswirten vorerst
abwarten. Das hat auch mit der prekären Lage in Frankreich zu tun.
Frankfurt/Main (dpa) - Die Europäische Zentralbank dürfte nach ihrer
Zinserhöhung im Oktober trotz der gestiegenen Inflation vorerst nicht
nachlegen. Volkswirte rechnen damit, dass die EZB bei ihrer Sitzung
an diesem Donnerstag in Frankfurt den für Banken und Sparer wichtigen
Einlagenzins bei 2,5 Prozent belassen wird. Die Entscheidung wird am
Nachmittag (14.15 Uhr) veröffentlicht.
Dass teure Energie als Folge des Iran-Kriegs die Verbraucherpreise
treibt, ist ein Argument für eine weitere Anhebung der Leitzinsen. Im
September stieg die Teuerungsrate im Euroraum auf 3,8 Prozent - das
ist weit über dem mittelfristigen Inflationsziel der EZB von 2,0
Prozent. Höhere Zinsen belasten aber zugleich alle, die investieren
wollen. Auch die politisch aufgeheizte Lage in Frankreich spricht
dafür, dass die EZB sich alle Optionen offen halten will.
Bei landesweiten Protesten gegen hohe Lebenshaltungskosten hatte es
in Frankreich, wo im April 2027 Präsidentschaftswahlen stattfinden,
jüngst schweren Ausschreitungen und Plünderungen gegeben. Auch
haushaltspolitisch spitzt sich die Lage in Paris zu: Für die
zweitgrößte Euro-Volkswirtschaft, die bereits hoch verschuldet ist,
hat sich die Aufnahme neuer Schulden an den Finanzmärkten zuletzt
drastisch verteuert.
Volkswirte gehen davon aus, dass die EZB eine Entscheidung über die
nächste Zinserhöhung auf Dezember verschieben wird. Anhand neuer
Prognosen zu Inflation und Konjunktur hätte die Notenbank dann auch
mehr Klarheit darüber, ob und wie stark sich die höheren
Energiepreise auf andere Preise auswirken.
