Nach Fed-Zinspause: Wie entscheidet die EZB?
29.10.2026 05:45
Die US-Notenbank belässt den Zins auf dem bekannten Niveau - trotz
hoher Inflation. Wie werden die Europäer nun entscheiden?
Washington (dpa) - Nach der Zinspause bei der US-Notenbank Federal
Reserve richten sich die Augen auf den heutigen Zinsentscheid der
Europäischen Zentralbank. Volkswirte rechnen damit, dass auch die EZB
trotz hoher Inflation die Zinsen nicht anheben wird. Stattdessen
dürfte der für Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins bei 2,5
Prozent bleiben.
Am Mittwoch hatte die Fed den Leitzins bei 3,75 bis 4,00 Prozent
beibehalten. Auch hier hatte eine große Mehrheit von Volkswirten
trotz hoher Inflation stabile Zinsen erwartet - die Überraschung
verkündete Fed-Chef Kevin Warsh erst auf einer Pressekonferenz. Er
kündigte Sitzungen an, bei denen der Zentralbankrat nicht über den
Zins entscheiden wird. Zwar sollen weiterhin acht Sitzungen im Jahr
stattfinden. 2027 werde es allerdings eine Sitzung ohne Abstimmung
über den Leitzins geben. 2028 dürfte es gar zwei von acht sein.
Nun wird noch mit Spannung erwartet, ob es beim letzten Entscheid in
diesem Jahr im Dezember tatsächlich wie an den Märkten vorausgesagt
zu einer Zinserhöhung kommt. «Es liegt in unserer Verantwortung, die
Inflation zu senken», sagte Fed-Chef Kevin Warsh bei einer
Pressekonferenz - das spräche für eine Zinserhöhung. Diese liegt seit
knapp sechs Jahren über dem Zielwert von zwei Prozent.
«Wir gehen davon aus, dass die bis zur nächsten Sitzung anfallenden
Daten den Eindruck untermauern, dass die Inflation zu hoch ist und
sich nicht abschwächt», kommentierte Commerzbank-Ökonom Bernd
Weidensteiner. Er erwartet weiterhin eine Erhöhung um einen Schritt,
also 0,25 Punkte. LBBW-Analyst Elmar Völker äußerte sich ähnlich. D
ie
Fed dürfte nicht mehr von ihrer ins Auge gefassten Zinsanhebung
abrücken.
Innerhalb der Fed hatte zuvor eine große Mehrheit Bereitschaft für
eine weitere Zinsanhebung in diesem Jahr signalisiert: Angesichts der
Inflation erwarteten 16 der 18 befragten Fed-Mitglieder mindestens
eine Erhöhung um einen Schritt. Unter diesen können sich vier eine
noch weitreichendere Straffung vorstellen. Das könnte nun bei der
Sitzung im Dezember geschehen, zumal bereits am Mittwoch zwei der
zwölf stimmberechtigten Mitglieder sich dafür aussprachen.
