Trotz Veto von Merz: Von der Leyen hält an Kanada-Plan fest
29.10.2026 16:27
Kanada und die EU wollen ihre Partnerschaft vertiefen. Ein Vorstoß
von Ursula von der Leyen trifft unter anderem in Berlin auf
Widerstand. Die Kommissionspräsidentin lässt aber nicht locker.
Montreal (dpa) - EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hält
trotz Widerstand von Ländern wie Deutschland an der Idee einer
assoziierten EU-Mitgliedschaft Kanadas fest. «Wir beide wollen unsere
Beziehungen auf die höchstmögliche Ebene heben. Deshalb beraten wir
derzeit über die Möglichkeit, dass Kanada das erste assoziierte
Mitglied der Europäischen Union wird», sagte von der Leyen in
Montreal vor dem EU-Kanada-Gipfel. «Wir können eine Partnerschaft
aufbauen, die einer Mitgliedschaft näher kommt als alles, was wir
bisher getan haben.»
Von der Leyen hatte im September überraschend den Vorschlag einer
«assoziierte Mitgliedschaft» Kanadas gemacht und das in Montreal
eigentlich offiziell auf den Weg bringen wollen. Bundeskanzler
Friedrich Merz und mehrere andere Staats- und Regierungschefs von
EU-Ländern sorgten aber dafür, dass die Begriffe «assoziierte
Mitgliedschaft» und «assoziiertes Mitglied» aus dem Entwurf für die
geplante Abschlusserklärung des an diesem Donnerstag beginnenden
EU-Kanada-Gipfels gestrichen wurden, wie die Deutsche Presse-Agentur
von Diplomaten in Brüssel erfuhr.
Annäherung durch Konflikt mit USA unter Trump
An dem Gipfel in Montreal nehmen neben Carney und von der Leyen auch
noch EU-Ratspräsident António Costa sowie etliche EU-Kommissare
teil.
Über eine Annäherung an Kanada herrscht unter den EU-Staaten
grundsätzlich Einigkeit. Zusammenrücken lässt beide Seiten auch der
Konflikt mit den USA unter Präsident Donald Trump. Die USA haben
bereits mehrfach Strafzölle gegen Kanada verhängt, auf die das Land
mit Gegenzöllen reagierte. Ohne Namen zu nennen, warnte von der Leyen
davor, Handel als Mittel wirtschaftlichen Drucks einzusetzen. «Wir
erleben in Echtzeit, wie unsere Souveränität angegriffen wird», sagte
sie. Statt sich abzuschotten und allein auf die eigene Stärke zu
setzen, müssten Länder mit vertrauenswürdigen Partnern
zusammenarbeiten.
Von der Leyen warb dabei auch dafür, neue Wege zu gehen. «Wir können
uns nicht länger durch die Beschränkungen der alten Weltordnung
fesseln lassen», sagte sie. Man müsse die Vision von Partnerschaften
entwickeln, die auf Vertrauen aufbauten und von gemeinsamen
Interessen und Überzeugungen getragen würden.
