EU-Kanada-Gipfel endet Montreal

29.10.2026 18:03

Die EU und Kanada wollen enger zusammenrücken - auch vor dem
Hintergrund der Spannungen mit den USA. Innerhalb Europas gibt es
allerdings Unstimmigkeiten.

Montreal (dpa) - Überschattet von Streit über die Bezeichnung der
künftigen Partnerschaft beraten Spitzenvertreter der EU und Kanadas
an diesem Freitag in Montreal über neue gemeinsame Projekte. Am
zweiten Tag des Gipfeltreffens soll der Weg für eine noch
umfassendere und vertiefte politische und wirtschaftliche
Partnerschaft geebnet werden. Konkret soll es um Projekte in den
Bereichen Digitales, kritische Rohstoffe, Verteidigung, Bildung,
Jugend und Forschung gehen.

Die EU wird beim Gipfel von Kommissionspräsidentin Ursula von der
Leyen und Ratspräsident António Costa vertreten, Kanada von
Premierminister Mark Carney.

Streit um gemeinsame Erklärung

Zum Abschluss des Spitzentreffens soll eine gemeinsame Erklärung
veröffentlicht werden. Um diese hatte es zuvor tagelang EU-internen
Streit gegeben: Deutschland und andere Länder wollten nicht
akzeptieren, dass die engere Anbindung Kanadas an die EU künftig -
wie von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vorgeschlagen -
als «assoziierte Mitgliedschaft» bezeichnet wird. Aus Sicht der
Bundesregierung hätte vor der Verwendung dieser Bezeichnung mit den
EU-Mitgliedstaaten darüber gesprochen werden sollen - unter anderem
deswegen, weil sie auf Initiative von Bundeskanzler Friedrich Merz
hin schon im Zusammenhang mit dem EU-Beitrittsprozess der Ukraine
genutzt wird.

Am Ende wurde «assoziierte Mitgliedschaft» aus dem Entwurf für die
Abschlusserklärung gestrichen. Stattdessen ist dort nun nur noch von
einer «Allianz für die Zukunft» die Rede. Diese Bezeichnung wurde
maßgeblich von Carney geprägt.

Eine engere Zusammenarbeit zwischen der EU und Kanada ist unter den
EU-Mitgliedstaaten weitestgehend unumstritten. Beide Seiten wollen
ihre Politik etwa bei Energie, Klimaschutz, Technologie und
Sicherheit noch stärker aufeinander abstimmen. Zudem ist geplant,
Kanada umfassender an EU-Programmen für Forschung, Bildung und
Verteidigung zu beteiligen. Die Partner lassen auch die Konflikte mit
den USA unter Donald Trump enger zusammenrücken. Die EU hofft zudem
auf finanzielle Zusagen Kanadas für die Ukraine.