Berlin verteidigt Hybridauto-Initiative der EU gegen China

30.10.2026 08:05

In Seoul sorgt man sich, dass EU-Maßnahmen zum Schutz der
Autoindustrie auch Südkorea treffen könnten. Ein deutscher
Staatssekretär versichert nun: Gemeint sei nur ein «bestimmtes Land».


Seoul (dpa) - Der parlamentarische Staatssekretär im
Bundeswirtschaftsministerium, Stefan Rouenhoff, hat bei der
Asien-Pazifik-Konferenz in Südkorea betont, dass die
deutsch-französische Initiative zur Stärkung der europäischen
Autoindustrie nur als Schutz «vor einem bestimmten Land» diene. China
nannte er dabei nicht ausdrücklich beim Namen, doch seine
Stoßrichtung wurde dennoch deutlich. «In einem Markt, der zunehmend
mit Autos aus einem bestimmten Land überschwemmt wird, müssen wir
Antworten finden», sagte er. 

Zugleich betonte der Staatssekretär, dass die deutsch-französische
Verständigung nicht gegen Südkorea gerichtet sei. Dort gibt es die
Sorge, dass Handelsschutzmaßnahmen der Europäischen Union auch
Südkorea - wie Deutschland ebenfalls stark vom Export abhängig -
treffen könne. 

«Europa muss sich gegen Wettbewerbsverzerrungen aus China wirksam
schützen. Gleichzeitig dürfen langjährige und verlässliche
Handelspartner wie Südkorea dadurch nicht schlechter gestellt
werden», sagte Tanja Gönner, Hauptgeschäftsführerin des
Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Die deutsche Industrie
stehe für offene Märkte und regelbasierten Handel, so Gönner.
Handelsschutz sei kein Selbstzweck, sondern müsse gezielt
Wettbewerbsgleichheit herstellen. «Freier Handel funktioniert nur,
wenn alle ähnlich lautende Regeln haben und sich an diese halten»,
sagte Gönner. 

Deutschland und Frankreich pochen auf Schutz der Autobranche 

Die EU und China haben sich zu Beginn des Monats auf eine Drosselung
chinesischer Exporte von Hybridautos verständigt. Die Lieferungen in
die Europäische Union könnten dadurch um mehr als die Hälfte
zurückgehen, erklärte EU-Handelskommissar Maros Sefcovic nach
Verhandlungen in Peking. Die Maßnahme geht in großen Teilen auf die
Initiative Frankreichs und Deutschlands zurück. 

Die EU und auch Deutschland erleiden im Warenhandel mit China ein
historisches Handelsdefizit. Allein in den ersten sechs Monaten hat
das EU-China-Handelsdefizit laut Sefcovic fast 197 Milliarden Euro
erreicht. Nach Analysen von Wirtschaftsexperten geht der ungleiche
Handel auch auf übermäßige und flächendeckende Subventionen,
Währungsmanipulationen und Wettbewerbsnachteile heimischer
Unternehmen in China zurück.