Nexi und Telekom erhalten Großauftrag für digitalen Euro

30.10.2026 13:45

Die EZB vergibt einen Zehnjahresvertrag für zentrale Netzdienste des
digitalen Euro. Warum sie gleich zwei unabhängige Anbieter einbindet.

Frankfurt/Main (dpa) - Die Europäische Zentralbank (EZB) treibt die
technischen Vorbereitungen für eine europäische Digitalwährung voran:

Ein Konsortium aus dem italienischen Zahlungsdienstleister Nexi und
der Deutschen Telekom hat den Zuschlag für zentrale
Konnektivitätsdienste des digitalen Euro erhalten. Die
Bietergemeinschaft erhält einen Zehnjahresvertrag.

Als zweiter unabhängiger Netzwerkdienstleister wurde der spanische
Telekommunikationskonzern Telefónica ausgewählt. Mit dieser
Doppelvergabe will die Notenbank Ausfallsicherheit garantieren und
Monopolabhängigkeiten bei der Anbindung vermeiden.

Deutsch-Italienische Kooperation

Die an der Mailänder Börse notierte Nexi-Gruppe zählt zu den
führenden PayTech-Konzernen Europas und stellt digitale
Zahlungsinfrastrukturen, Kartenterminals sowie Abrechnungslösungen
für Banken und Händler bereit. Gemeinsam mit der Deutschen Telekom
soll das Unternehmen ein hochskalierbares und ausfallsicheres
Netzwerk aufbauen und betreiben. Dieses verbindet die Rechenzentren
der künftigen Plattform für Dienste rund um den digitalen Euro (DESP)
und gewährleistet zugleich den gesicherten Datenzugang für
Geschäftsbanken, Zahlungsdienstleister sowie die nationalen
Zentralbanken des Eurosystems.

Die Vergabe der Konnektivitätsdienste ist allerdings nur ein Baustein
der breit angelegten technischen Beschaffungsinitiative der
Währungshüter. Über das Leitungsnetz hinaus hat die EZB fünf weiter
e
zentrale Komponentenpakete für die Systemarchitektur ausgeschrieben.
Diese umfassen Softwarelösungen für das Betrugs- und
Risikomanagement, einen Verzeichnisdienst zur Alias-Auflösung via
Telefonnummer oder E-Mail-Adresse, Mechanismen zum sicheren Austausch
von Transaktionsdaten, Systeme zur Abwicklung von Offline-Zahlungen
ohne aktive Internetverbindung sowie die Entwicklung einer
standardisierten Referenz-App.

Digitaler Euro als Ergänzung zum Bargeld

Die EZB tüftelt seit Jahren an einer digitalen Variante der
europäischen Gemeinschaftswährung. Sie soll das Euro-Bargeld
ergänzen, aber nicht ersetzen. Derzeit dominieren vor allem
US-Anbieter wie Paypal, Mastercard und Visa den Markt für digitale
Zahlungen in Europa. Mit einem digitalen Euro wollen die
Euro-Notenbanken ihnen ein europäisches Angebot entgegensetzen.

Die EZB peilt eine Einführung der Alternative zum Bargeld 2029 an,
für 2027 ist der Start eines Pilotprojekts zum digitalen Euro
angepeilt. Dafür muss allerdings der Rechtsrahmen für den digitalen
Euro stehen. Ein Gesetzentwurf der EU-Kommission wird noch im
Europäischen Parlament verhandelt, eine für Mai geplante Abstimmung
könnte sich aber verschieben, berichte jüngst das «Handelsblatt».