IW: US-Zwischenwahlen dürften Trumps Zollkurs kaum verändern
30.10.2026 14:11
Nächste Woche stehen in den USA wichtige Zwischenwahlen an. Trumps
Republikaner droht ein Rückschlag. Doch die Chancen auf einen Wechsel
in der Handelspolitik stehen schlecht.
Frankfurt/Main (dpa) - Die anstehenden Zwischenwahlen in den USA
dürften nach Einschätzung des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW)
kaum Erleichterung bei der Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump
bringen. «Deutsche Unternehmen sollten damit rechnen, dass die
Richtung der Wirtschafts- und Zollpolitik mindestens bis Januar 2029
bestehen bleibt», schreibt das IW in einer Studie mit Blick auf das
reguläre Ende der Amtszeit von Trump.
Eine oppositionelle Mehrheit im US-Kongress nach den «Midterms» wäre
voraussichtlich zu knapp, um ein Veto des Präsidenten zu überstimmen.
«Die USA bleiben für Deutschland und die EU ein wichtiger
Handelspartner. Die Unsicherheit wird jedoch auch nach den
Zwischenwahlen anhalten», sagt IW-Außenhandelsexpertin Samina Sultan.
Bilanz für Trumps Kurs fällt mager aus
Die Bilanz von Trumps Zollpolitik nach fast zwei Jahren im Amt falle
ernüchternd aus, bilanziert das IW. «Seine zentralen
wirtschaftspolitischen Versprechen bleiben unerfüllt.»
So sei es Trump nicht gelungen, das US-Warenhandelsdefizit dauerhaft
zu verkleinern. Im August 2026 lag dieses laut IW bei 130 Milliarden
Dollar - etwa 35 Milliarden mehr als im August 2024. Der EU-Anteil
sank demnach von 20 auf sieben Prozent. Das liege aber vor allem
daran, dass die USA mehr Waren, besonders Energie, in die EU
exportierten. Das hohe Handelsdefizit der USA mit Deutschland sank
etwas: Im August 2026 lag es bei 5,8 Milliarden Dollar - nach 6,6
Milliarden zwei Jahre zuvor.
Weniger Investitionen, höhere Schulden
Auch ausländische Firmen investierten laut IW weniger in den USA. Die
Direktinvestitionen dort beliefen sich 2025 auf 248 Milliarden
Dollar, 8,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Zwar wachse die
US-Wirtschaft robust. Doch es entstünden weniger neue Jobs als unter
der Vorgängerregierung, und die Investitionen konzentrierten sich
stark auf KI.
Dazu kommen die durch den Iran-Krieg gestiegenen Lebenshaltungskosten
und nach oben geschossenen US-Staatsschulden. Letztere überschritten
erstmals 40 Billionen US-Dollar - mehr als 120 Prozent der
Wirtschaftsleistung.
Republikaner in Umfragen unter Druck
Trump überzieht seit seinem Amtsantritt im Januar 2025 viele Länder
mit Zöllen. Mit der EU einigte sich Washington auf ein
Handelsabkommen, das für die USA vorteilhaft ausfällt und auf die
meisten Importe aus Europa eine Zollobergrenze von 15 Prozent
festlegt.
Bei den US-Kongresswahlen am Dienstag (3. November) werden alle 435
Sitze im Repräsentantenhaus und 35 der 100 Senatsposten neu gewählt.
Umfragen zufolge könnten die Demokraten die Mehrheit im
Repräsentantenhaus erobern, während sich im Senat kein klares Bild
abzeichnet.
Doch selbst wenn die Demokraten in einer oder gar in beiden Kammern
künftig die Mehrheit bilden sollten, müsste ein Veto von Trump von
zwei Dritteln der stimmberechtigten Volksvertreter in beiden Kammern
überstimmt werden - das ist in der Praxis äußerst schwer zu
erreichen.
