EU und Kanada gründen «Allianz für die Zukunft»
30.10.2026 18:34
Von KI bis Handel: Die EU und Kanada setzen auf gemeinsame Projekte.
Sie sollen die Partner krisenfester und unabhängiger von den USA und
China machen.
Montreal (dpa) - Die Europäische Union und Kanada haben bei einem
Gipfeltreffen in Montreal eine «Allianz für die Zukunft» gegründet
und damit den Startschuss für eine noch engere Zusammenarbeit
gegeben. Die Allianz solle einen gemeinsamen Raum des Wohlstands und
der wirtschaftlichen Sicherheit schaffen, heißt es in einer nach
Abschluss des Spitzentreffens veröffentlichten Erklärung. Dazu
sollten etwa gemeinsame Risiken für die wirtschaftliche Sicherheit
verringert sowie stärker verflochtene und widerstandsfähigere
Lieferketten aufgebaut werden.
Das aktuelle geostrategische Umfeld und zunehmende hybride
Bedrohungen gefährdeten die Demokratien, heißt es in dem Text weiter.
Dazu zählen etwa Sabotageakte, Cyberattacken oder
Desinformationskampagnen, die unterhalb der Schwelle eines offenen
militärischen Angriffs bleiben. «Unsere Gesellschaften werden von
neuen Stürmen geschüttelt», sagte Kanadas Premierminister Mark
Carney.
Konkret wollen die Partner ihre Zusammenarbeit bei Sicherheit und
Verteidigung, Energie, Bildung, Handel und Raumfahrt ausbauen. Auch
Künstliche Intelligenz (KI) soll zu einem wichtigen Baustein der
vertieften Partnerschaft werden. Beide Seiten wollen ihre Kräfte bei
der Entwicklung, Nutzung und Absicherung der Technologie bündeln, wie
aus der Abschlusserklärung hervorgeht.
Carney bezeichnete die Vorhaben als Schritt hin zu «einer
widerstandsfähigeren Welt». Man arbeite auf die tiefstmögliche
Partnerschaft ohne Mitgliedschaft hin, in der Kanada das erste
assoziierte Mitglied der EU werde. Gegen den Begriff hatte es vor
allem von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) Widerstand gegeben. In
der Folge wurde der Begriff aus dem Abschlussstatement genommen. «In
Montreal eröffnen wir ein völlig neues Kapitel unserer gemeinsamen
Geschichte», sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.
Die EU ist bereits Kanadas zweitgrößter Handelspartner nach den USA.
Nach einer jüngsten Eskalation haben beide Länder gegenseitig
Strafzölle verhängt. US-Präsident Donald Trump hat dem Nachbarn zudem
wiederholt damit gedroht, Kanada zu einem US-Bundesstaat machen zu
wollen - eine Drohung, die viele in Kanada sehr ernst nehmen.
