Wein zu Desinfektionsmitteln - Weniger Anträge als erwartet
02.11.2026 14:45
Überproduktion und Preisdruck: Rheinhessen ist eins von zwei
Anbaugebieten in Deutschland, in dem die EU Krisendestillation
unterstützt. Die Antragsfrist ist jetzt vorbei.
Mainz (dpa/lrs) - Für die Krisendestillation von Wein sind in
Rheinland-Pfalz 266 Anträge auf insgesamt 6,3 Millionen Liter
gestellt worden - weniger als möglich. Insgesamt seien nur etwa 36
Prozent der maximal möglichen Menge in Höhe von 17,5 Millionen Litern
beantragt worden, wie das für Wein zuständige Ministerium in Mainz
auf Anfrage mitteilte.
Die Antragsfrist war am 15. Oktober abgelaufen. Wie viele Anträge
bewilligt werden, ist noch offen. Die Menge werde wahrscheinlich
unter den Anträgen liegen. Der SWR hatte zuvor darüber berichtet.
Millionensumme aus EU-Geldern für Krisendestillation
Rund 4,7 Millionen Liter davon waren Rot- und etwa 1,6 Millionen
Liter Rosé-Wein «Rechnerisch ergibt sich eine durchschnittliche Menge
von rund 23.800 Liter pro Antrag», teilte ein Sprecher mit.
Von den EU-Mitteln für die Krisendestillation in Höhe von 14,16
Millionen Euro entfielen rund 10,3 Millionen Euro auf das größte
deutsche Anbaugebiet Rheinhessen - und der Rest auf Württemberg,
viertgrößtes der 13 Anbaugebiete. Andere Regionen waren nicht
vorgesehen.
Zu viel Wein im Angebot
Weil zu viel Wein auf dem Markt ist, können Winzer aus den beiden
Anbaugebieten überschüssige Mengen zu Industriealkohol
weiterverarbeiten. Dem hatte die EU-Kommission nach einem deutschen
Antrag zugestimmt. Zugelassen sind Rot- und Roséweine des Jahrgangs
2025 und älter.
Die EU fördert die Destillation mit 43 Cent pro Liter. Hinzu kommen
16 Cent pro Liter für Logistik- und Brennkosten. Um
Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden, darf bei der Krisendestillation
gewonnener Alkohol ausschließlich für industrielle Zwecke genutzt
werden, etwa für Desinfektionsmittel und Energie. Eine Verwendung für
die Lebensmittel- und Getränkeindustrie ist nicht zulässig.
