EU genehmigt Übernahme von MediaMarktSaturn unter Auflagen Von Ann-Kristin Wenzel und Christian Rothenberg, dpa

03.11.2026 12:11

Der chinesische Handelskonzern JD.com will sich Europas größten
Elektronik-Fachhändler sichern, MediaMarktSaturn. Brüssel gibt grünes

Licht - unter Vorbehalt. Zuvor hatte Peking mit Folgen gedroht.

Brüssel (dpa) - Die Europäische Kommission hat die geplante Übernahme

von Europas größtem Elektronikfachhändler MediaMarktSaturn durch den

chinesischen E-Commerce-Riesen JD.com mit Bedingungen genehmigt. Das
teilte die Behörde mit. Die Wettbewerbshüter wollen demnach so
sicherstellen, dass chinesische Subventionen nicht den Markt
verzerren. 

JD.com und Ceconomy teilten in einer gemeinsamen Pressemitteilung
mit, dass damit nun alle Angebotsbedingungen erfüllt seien, und
kündigten den Vollzug der Transaktion für die kommenden Tage an.

Die Brüsseler Behörde hatte festgestellt, dass JD.com von China
Subventionen in Form von Vorzugsfinanzierungen, Steuervergünstigungen
und Zuschüssen bekommen hatte. Die EU-Kommission sah das Risiko, dass
daraus finanzierte Kapazitäten letztlich auch Ceconomy zur Verfügung
gestellt werden und die Unternehmen Mitbewerber durch «eine
aggressive Preispolitik» unter Druck setzen könnten. 

Quersubventionierung verhindern

Die Unternehmen werden deshalb unter anderem dazu verpflichtet, dass
sämtliche konzerninternen Transaktionen zwischen JD.com und Ceconomy
zu marktüblichen Bedingungen erfolgen müssen, insbesondere
Finanzierungen. Das soll eine Quersubventionierung verhindern. 

Die Unternehmen hatten die Verpflichtungszusagen angesichts der
wettbewerbsrechtlichen Prüfung vorgeschlagen und sind daran nun zehn
Jahre gebunden. China hatte der EU wegen der Untersuchung im August
mit Gegenmaßnahmen gedroht. 

JD.com will den Düsseldorfer Konzern Ceconomy übernehmen, zu dem
MediaMarkt und Saturn gehören. Das Angebot des chinesischen
Onlinehändlers bewertet Ceconomy mit rund 2,2 Milliarden Euro. 

Die Zustimmung der Brüsseler Behörde ist eine der Voraussetzungen für

den Eigentümerwechsel. Staatshilfe unterliegt in der EU strengen
Regeln, um Wettbewerbsverzerrung zu vermeiden. Die Behörde prüft auch
bestimmte Subventionen von Staaten außerhalb der EU. 

Vorwürfe aus Peking

Das chinesische Justizministerium hatte im August mitgeteilt, sollte
die EU an ihrem Vorgehen festhalten, werde man entschlossen
reagieren. Zugleich verbot Peking Organisationen und Einzelpersonen,
die EU bei bestimmten Auskunftsersuchen in China zu unterstützen. Das
Justizministerium warf Brüssel vor, umfangreiche und unnötige
Informationen aus China verlangt zu haben. 

Ein Sprecher der EU-Kommission argumentierte damals dagegen mit der
Bedeutung gleicher Wettbewerbsbedingungen. Während früher nur
Subventionen europäischer Staaten geprüft worden seien, würden
mittlerweile auch ausländische Subventionen geprüft. 

Das Ziel sei, «dass alle in der EU tätigen Unternehmen,
einschließlich chinesischer Unternehmen, gleich behandelt werden und
unter gleichen Bedingungen konkurrieren», sagte der Sprecher. 

EU-Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera begrüßte nun den
«konstruktiven Ansatz der beteiligten Unternehmen». «Die
Verbraucherinnen und Verbraucher profitieren von einem
wettbewerbsfähigen Einzelhandels- und E-Commerce-Sektor, in dem für
alle Unternehmen gleiche Wettbewerbsbedingungen gelten.»

Deutschland macht Auflagen

JD.com hatte im Sommer 2025 ein Übernahmeangebot abgegeben und sich
wenige Monate später die Mehrheit der Ceconomy-Aktien gesichert.
Behörden in mehreren Ländern, darunter auch Deutschland, prüften die

Übernahme ebenfalls und gaben schließlich grünes Licht. 

Die Freigabe erfolgte vielfach unter Auflagen. Diese sollen in
Deutschland etwa gewährleisten, dass die personenbezogenen Daten der
Kunden geschützt bleiben. Zudem räumen sie der Bundesregierung starke
Überwachungs- und Kontrollrechte ein und ermöglichen ihr, die
Genehmigung im Fall von Verstößen zu widerrufen.

Einer der größten Handelskonzerne weltweit

MediaMarktSaturn ist Europas größter Elektronik-Fachhändler und nach

Amazon, Otto und Zalando viertgrößter Onlineshop in Deutschland. Das
Handelsunternehmen Ceconomy, zu dem die MediaMarktSaturn Retail Group
heute zählt, entstand 2017 als Abspaltung von Metro.

JD.com ist mit einem Jahresumsatz von knapp 159 Milliarden US-Dollar
(2024) laut dem Forschungsinstitut EHI größter chinesischer
Handelskonzern und zählt auch weltweit zu den zehn größten. Die
Gruppe, die etwa 570.000 Beschäftigte hat, ist unter anderem auch in
den Bereichen Technologie, Logistik und Gesundheit tätig. In
Deutschland ist das Engagement bislang überschaubar. Im März dieses
Jahres startete JD.com den Onlineshop Joybuy.

JD.com teilte zur Entscheidung der EU-Kommission weiter mit, dass
Geschäftsmodell und Strategie unverändert blieben und die Grundlage
für beschleunigtes Wachstum bildeten. «Der Vorstand wird weiterhin
für die Umsetzung der Geschäftsstrategie und die operative Führung
des Unternehmens verantwortlich sein», hieß es. JD.com habe sich
zudem verbindlich dazu verpflichtet, die für Mitarbeitende, Marken
und Märkte besonders wichtigen Grundlagen zu schützen.

Ceconomy ist mit mehr als 1.000 Märkten in elf europäischen Ländern
aktiv, rund 400 davon hierzulande. Filialen der Kette Saturn gibt es
nur noch in Deutschland. Im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr
machte das Handelsunternehmen nach vorläufigen Zahlen einen Umsatz
von 24,0 Milliarden Euro. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen und
Steuern (Ebit) stieg nach Unternehmensangaben um 27 Prozent auf 515
Millionen Euro. Weltweit beschäftigte der Konzern im Jahr 2024 rund
50.000 Menschen, davon knapp 20.000 in Deutschland.