Cyberattacke auf Supermärkte: EU-Krisentreffen einberufen

03.11.2026 15:42

Angreifer nehmen Supermärkte in mindestens acht EU-Ländern ins Visier
- darunter auch Deutschland. Bei zwei Treffen besprechen IT-Experten,
was aus der Attacke folgt.

Brüssel (dpa) - Nach Cyberangriffen auf Kühlgeräte in mehreren
europäischen Ländern hat die EU-Kommission zwei Krisentreffen
einberufen. Dabei ging es vor allem darum, Informationen
auszutauschen und das weitere Vorgehen abzustimmen, wie ein Sprecher
der Kommission in Brüssel sagte. 

An einer ersten Runde am Morgen nahmen demnach unter anderem die
EU-Cybersicherheitsagentur Enisa, die Polizeibehörde Europol und die
zuständigen Experten der Kommission teil. Auch das europäische
Netzwerk für Cyberkrisen sei aktiviert worden. Dort habe die
EU-Kommission sich mit Vertretern der Mitgliedstaaten und nationalen
Behörden ausgetauscht. 

EU-Agrarkommissar Christophe Hansen sprach von einem gezielten
Versuch, die Lebensmittelversorgung zu stören und das Vertrauen der
Verbraucher zu untergraben. Die Versorgungssicherheit sei derzeit
aber nicht gefährdet. 

Die Ermittlungen zu den Angriffen laufen nach Angaben des Sprechers
bei den nationalen Behörden, die Kommission stehe mit ihnen in engem
Kontakt. Wer hinter den Attacken steckt, ist bislang unklar. Die
Vorfälle zeigten aber, dass Europa sich gemeinsam auf solche Angriffe
einstellen müsse: «Das sind keine isolierten Vorfälle», sagte der
Sprecher in Brüssel. Die EU müsse widerstandsfähig und auf solche
Cyberangriffe vorbereitet sein.

Mehrere EU-Länder betroffen 

Cyberkriminelle hatten in mehreren europäischen Ländern Kühlanlagen
von Supermärkten manipuliert. Unter anderem aus Deutschland, Belgien,
Schweden, Irland, Luxemburg, Estland, Finnland und den Niederlanden
wurden Fälle bekannt. Kühlschränke und Tiefkühltruhen wurden dabei

wärmer, teilweise mussten Lebensmittel aus dem Verkauf genommen oder
entsorgt werden. 

Bereits Mitte Oktober waren bei einem ähnlichen Angriff in Frankreich
Kühlanlagen in rund 150 Geschäften betroffen. Ob die Vorfälle
miteinander zusammenhängen, ist bislang nicht geklärt. 

Warum sind Kühlschränke mit Internet verbunden? 

Vernetzte Steuergeräte erlauben Herstellern und Betreibern,
Temperaturen, Abtauzyklen und Alarme zentral zu überwachen. Zudem
kann eine zentrale Steuerung der Anlagen über das Internet laut dem
deutschen Umweltbundesamt dazu beitragen, den Energieeinsatz zu
optimieren und somit Kosten zu sparen. 

Die Vernetzung birgt aber auch Sicherheitsrisiken. Eine aktuelle
Untersuchung des Cybersicherheitsunternehmen Forescout zeigt, dass
fast 13.000 Kühlmanagement-Dienste in 99 Staaten über das öffentliche

Internet erreichbar waren - und damit anfällig für Hackerangriffe.
Einige Systeme liefen zudem mit veralteter Software ohne
Sicherheitsupdates, heißt es im Forescout-Bericht vom Oktober 2026.