USA: Nächste Woche Verhandlungen mit Ukraine und Russland

03.11.2026 14:52

Ein Kriegsende ist auch nach fast fünf Jahren nicht in Sicht. Nun
wollen die USA, Russland und die Ukraine erneut in einem Dreierformat
verhandeln. Die tödlichen Angriffe gehen derweil weiter.

Kiew/Washington (dpa) - Trotz tödlicher Angriffe und gegenseitiger
Cyberattacken könnte es im zähen Ringen um ein Ende des russischen
Angriffskriegs gegen die Ukraine bald wieder etwas Bewegung geben.
Vertreter aus Kiew, Moskau und Washington sollen sich kommende Woche
für zweitägige Verhandlungen in Abu Dhabi treffen, wie der
US-Sondergesandte Steve Witkoff auf der Plattform X mitteilte. 

«Die Gespräche werden sich um Sicherheitsvereinbarungen für die Zeit

nach dem Krieg, Deeskalation, humanitäre Hilfsmaßnahmen und die
nächsten Schritte auf dem Weg zum Frieden drehen», erklärte Witkoff.

Die Verhandlungen auf Arbeitsebene sollen nächste Woche Dienstag und
Mittwoch in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate
stattfinden. In dem Format hatte es zuletzt im Februar in Genf
Verhandlungen gegeben, davor zweimal in Abu Dhabi. 

Kremlsprecher Dmitri Peskow bestätigte der staatlichen russischen
Nachrichtenagentur Tass zufolge, dass eine russische Delegation
teilnehme. Das Moskauer Team leitet demnach wie schon bei früheren
Gesprächen Ex-Kulturminister Wladimir Medinski.

Vor dem neuen Treffen sollen US-Gesandte diese Woche in Brüssel mit
Vertretern europäischer Staaten, der Nato und der EU zusammenkommen.
Dabei soll es Witkoff zufolge um die Themen Sicherheitsgarantien für
die Ukraine, Europas Sicherheitsordnung nach dem Krieg sowie um den
Wiederaufbau gehen.

Nato-Sprecherin Allison Hart bestätigte, dass sich Nato-Vertreter
diese Woche in Brüssel mit Vertretern aus Frankreich, Deutschland,
Großbritannien und den USA träfen, um das weitere Vorgehen zu
besprechen. Die EU-Kommission richtet das Treffen nach eigenen
Angaben aus. 

Mindestens 26 Tote bei Luftangriff nahe Saporischschja

Die gegenseitigen Angriffe dauerten unterdessen weiter an. Russland
beschoss in der Nacht zum Dienstag die Ukraine massiv mit Raketen,
Marschflugkörpern und Drohnen. Ihrerseits griff die Ukraine in der
Nacht das russische Hinterland mit großen Drohnenschwärmen an.

Nach einem russischen Luftangriff am Montag auf das ukrainische Dorf
Komyschuwacha in der Region Saporischschja am Montag stieg die Zahl
der Todesopfer auf 29. Dieser «absolut schreckliche Angriff» sei bei
der Ausgabe von humanitärer Hilfe in einer Schule geschehen, hieß es
von Selenskyj. Es werde in den Trümmern nach weiteren Opfern gesucht,
mindestens fünf Personen seien verletzt worden. Laut örtlichen
Behörden galten 48 Menschen noch als vermisst. 

Selenskyj erhob den Vorwurf eines gezielten Bombardements. «Russland
konnte nicht entgangen sein, dass die in Komyschuwacha verbliebenen
Einwohner jede Woche eben dort humanitäre Hilfe erhalten.» Selenskyj
sprach von einem «hinterhältigen Terroranschlag». 

Komyschuwacha befindet sich etwa 25 Kilometer östlich von
Saporischschja und ist gut ein Dutzend Kilometer von der Frontlinie
entfernt. Die Region ist seit Monaten immer wieder Ziel schwerer
russischer Luftangriffe. 

Selenskyj: Hacken russischer Warn-App war Gegenangriff

Das Hacken des russischen Warnsystems vor Luftangriffen war nach
Angaben Selenskyjs ein ukrainischer Gegenangriff mit gleicher Münze.
«Wir reagieren nur auf ihre Angriffe», sagte Selenskyj dem US-Sender
PBS. «Sie haben unser System angegriffen. Das war ein Cyberangriff»,
sagte er. Natürlich habe sich die Ukraine dagegen gewehrt. Die
Warn-Apps der beiden Kriegsparteien informieren ihre Bürger unter
anderem über drohende Luftangriffe. Russland greife mit Cyberattacken
immer wieder Ziele an, um der Zivilbevölkerung zu schaden, sagte
Selenskyj weiter. 

Am späten Sonntagabend war zunächst die ukrainische App «Air Alert»

gehackt worden, woraufhin die Bürger unter anderem gefälschte
Warnungen vor angeblichen Atomangriffen auf ihre Smartphones bekamen.
Wenige Stunden später wurde am frühen Montagmorgen die App des
russischen Zivilschutzes gehackt und versandte ebenfalls falsche
Warnmeldungen. 

2.800 Soldaten aus elf Ländern bei Ukraine-Übung in Polen

In Polen werden ab Montag rund 2.800 Soldaten aus elf Ländern am
ersten Militärmanöver der «Koalition der Willigen» zur Unterstütz
ung
der Ukraine teilnehmen. Dabei solle getestet werden, wie nach dem
Ende des Kriegs ein dauerhafter Frieden gesichert werden könne,
teilte das britische Verteidigungsministerium in der Nacht mit.
Großbritannien werde dafür rund 300 Militärangehörige und mehrere
Kampfjets entsenden. 

Großbritannien und Frankreich leiten die Übung, die bis zum 22.
November laufen soll. Das Manöver der Ukraine-Verbündeten war bereits
zuvor angekündigt worden, zunächst aber ohne genauere Details wie die
Zahl der beteiligten Truppen. Die Bundeswehr wird sich nach vorigen
Angaben mit rund zehn Stabsoffizieren, Tankflugzeugen und Logistik
beteiligen. 

Putin zeigte sich nach Gespräch mit Witkoff bereit für Treffen

Kremlchef Wladimir Putin hatte sich im Oktober nach einem Gespräch
mit Witkoff über ein Ende des Ukraine-Kriegs verhandlungsbereit
gezeigt. «Wir haben vereinbart, dass wir bereit sind, unsere
dreiseitigen Kontakte wieder aufzunehmen», sagte Putin mit Blick auf
frühere Gespräche. 

Andeutungen aus dem Kreml hatten jüngst bereits nahegelegt, dass sich
die Delegationen der drei Länder Mitte November in Abu Dhabi zu einer
Fortsetzung ihrer Gespräche treffen würden. 

Die Ukraine wehrt sich seit mehr als viereinhalb Jahren mit
westlicher Unterstützung gegen den Angreifer Russland.