Cyberangriffe auch auf Kühlanlagen deutscher Supermärkte
03.11.2026 16:14
Auch in mehreren deutschen Supermärkten wurden Kühlanlagen vermutlich
ebenfalls aus der Ferne manipuliert - Lebensmittel mussten
weggeworfen werden. Wie die Polizei die Fälle einordnet.
Wuppertal/Bremen (dpa) - Nach der Serie von Cyberangriffen auf
Kühlanlagen in europäischen Supermärkten untersucht die Polizei
mehrere Fälle auch in Deutschland. Kriminelle sollen sich nach
bisherigen Erkenntnissen in mehreren Bundesländern in Kühltruhen
gehackt und dort die Temperaturen hochgestellt haben. Für betroffene
Läden ist der Schaden groß.
Die EU-Kommission berief Krisentreffen ein. EU-Agrarkommissar
Christophe Hansen sprach von einem gezielten Versuch, die
Lebensmittelversorgung zu stören und das Vertrauen der Verbraucher zu
untergraben. Die Versorgungssicherheit sei derzeit aber nicht
gefährdet.
In Wuppertal, Wetter bei Hagen, in Niederbayern und im Münsterland
sowie in der Westpfalz wurden nach Polizeiangaben Kühlanlagen
vermutlich durch einen Hackerangriff lahmgelegt. Die Temperatur sei
so hoch eingestellt worden, dass Lebensmittel verdorben seien und
entsorgt werden mussten, sagten Polizeisprecher.
Kühlanlagen auf 30 bis 50 Grad aufgeheizt
In Niedersachsen wurde die Kühlkette eines Supermarkts in Lilienthal
bei Bremen zeitweise lahmgelegt. «Wir mussten Waren im Wert von über
360.000 Euro wegwerfen», sagte Inhaber Daniel Breiding. In dem
Supermarkt fielen in der Nacht auf Montag Bedientheken, Kühlhäuser
und Tiefkühltruhen aus. Die Anlagen heizten sich demnach auf 30 Grad
auf, im niederbayerischen Reisbach waren es sogar 50 Grad. Betroffen
waren auch ein lebensmittelverarbeitender Betrieb und ein Supermarkt
in den Landkreisen Kaiserslautern und Kusel, teilte das
Polizeipräsidium Westpfalz mit.
Cyberkriminelle hatten in den vergangenen Tagen unter anderem in
Belgien, Schweden, Irland, Luxemburg, Estland, Finnland und den
Niederlanden dafür gesorgt, dass Kühlschränke und Tiefkühltruhen
wärmer wurden. Nach Angaben eines belgischen
Kühltechnik-Dienstleisters wurden die Anlagen aus der Ferne in den
Abtaumodus versetzt.
Mitte Oktober hatte es bereits einen großangelegten Angriff gegeben,
der Märkte mehrerer großer französischer Lebensmittelhandelsketten
betraf. Der Angriff richtete sich gegen einen Technik-Dienstleister.
Die Cyberkriminalitäts-Abteilung der Staatsanwaltschaft Paris
übernahm Ermittlungen.
Auch Supermarkt der Arbeiterwohlfahrt in NRW betroffen
Opfer der Hacker wurde auch ein von der Arbeiterwohlfahrt betriebener
Supermarkt in Wetter-Volmarstein im Ennepe-Ruhr-Kreis. Der
eigentliche Angriff sei auf die Firma erfolgt, die die Kühlanlagen
aus der Ferne warte, hieß es dort. Große Mengen an Lebensmitteln
hätten weggeworfen werden müssen.
Temperatur der Kühlanlagen aus der Ferne hochgestellt
Auch in einem Markt in Wuppertal seien große Mengen an Waren
verdorben - offensichtlich, weil Hacker aus der Ferne die Temperatur
der Kühlanlagen hochgedreht hätten, sagte ein Polizeisprecher. Der
Angriff sei am Wochenende erfolgt und am Montagmorgen bemerkt worden.
Auch bei einem Markt in Raesfeld im Münsterland fiel die Kühlung aus.
Dort wird nun geprüft, ob ein Hackerangriff der Grund sein könnte.
EU-Krisentreffen einberufen
An einer ersten EU-Runde am Morgen nahmen demnach unter anderem die
EU-Cybersicherheitsagentur Enisa, die Polizeibehörde Europol und die
zuständigen Experten der Kommission teil. Auch das europäische
Netzwerk für Cyberkrisen sei aktiviert worden. Die Ermittlungen zu
den Angriffen laufen nach Angaben des Sprechers bei den nationalen
Behörden, die Kommission stehe mit ihnen in engem Kontakt. Wer hinter
den Attacken steckt, ist bislang unklar. Die Vorfälle zeigten aber,
dass Europa sich gemeinsam auf solche Angriffe einstellen müsse.
Im Nachrichtensender «Welt TV» sagte Bundesdigitalminister Karsten
Wildberger (CDU): «Erstmal zeigt das, dass wir in einer Welt leben,
wo immer häufiger das Thema Cybersicherheit an Bedeutung - leider -
gewinnt. Heißt auch: Auch alle Unternehmen, das gilt auch für die
Verwaltung, müssen mehr Vorsorge tragen.»
