Autoverband: Plug-in-Hybride brauchen eine Perspektive
04.11.2026 04:00
Wie viele Emissionen erzeugen Autos, die sowohl elektrisch als auch
mit Verbrennungsmotor fahren können? In der EU wird ein Schätzwert
verwendet. Die deutsche Autoindustrie warnt vor der Verschärfung.
Berlin/Brüssel (dpa) - Der Verband der Automobilindustrie (VDA) mahnt
dringend eine Anpassung bei Regeln zu Hybrid-Autos an. «Es ist
absolut unverständlich, dass die EU weiter an der für diesen Monat
vorgesehenen Verschärfung des sogenannten Utility Factors für
Plug-in-Hybride festhält. Damit gefährdet Brüssel allein in
Deutschland rund 50.000 Arbeitsplätze, insbesondere auch in der
Zulieferindustrie», kritisierte VDA-Präsidentin Hildegard Müller.
«Das ist das Gegenteil der technologieoffenen und
wirtschaftsfreundlichen Politik, die Brüssel versprochen hat.»
Plug-in-Hybride sind Autos, die sowohl einen Verbrennungsmotor als
auch einen Elektromotor mit aufladbarer Batterie besitzen. Der
Utility Factor zeigt an, wie gut Plug-in-Hybride zum Erreichen der
Klima- und Flottenziele der Hersteller beitragen.
Hybride fahren öfter mit Verbrennungsmotor als angenommen
Bisher wurde bei der Typgenehmigung von Autos angenommen, dass
Plug-in-Hybride einen relativ hohen Anteil ihrer Fahrstrecke
elektrisch zurücklegen. Nutzungsdaten zeigen aber, dass viele von
ihnen seltener geladen werden und häufiger mit dem Verbrennungsmotor
statt elektrisch fahren als angenommen. Deshalb wird der Rechenfaktor
zum 29. November verändert, ab 2027 soll das noch breiter greifen.
Plug-in-Hybride gleichen dann rechnerisch weniger stark Verbrenner
aus, sodass Hersteller weniger E-Autos verkaufen müssen, um das
CO2-Ziel für 2030 einzuhalten.
Verschiedene EU-Staaten haben sich dagegen ausgesprochen. Die
deutsche Bundesregierung hatte sich im Frühjahr ebenfalls auf diese
Position geeinigt. Für eine Änderung müsste die EU-Kommission
handeln.
«Wir drohen eine Technologie in Europa zu verlieren, die weltweit
nachgefragt wird», warnte Müller. Plug-in-Hybride würden weltweit
weiter von großer Bedeutung sein. «Deshalb ist die klare Forderung
der Autoindustrie an Brüssel: Stoppt sofort die Verschärfung des
Utility Faktors für die Hybride.» Brüssel müsse «der
Plug-in-Technologie eine Perspektive geben. Wir erwarten
entsprechende Unterstützung aus Berlin.»
Die Nachhaltigkeitsorganisation Transport & Environment hatte dagegen
vor kurzem die Bundesregierung dazu aufgefordert, an der Korrektur
des Nutzfaktors festzuhalten. Sonst würden die tatsächlichen
Emissionen weiter unterschätzt. Eine Folge davon sei auch, dass
Autofahrer mehr für das Betanken ihrer Plug-in-Hybride zahlen als von
Herstellern angegeben.
