EU-Kommission will Touristenströme besser verteilen

04.11.2026 12:24

Hunderttausende Touristen zieht es Jahr für Jahr an die gleichen
Orte. Die Europäische Kommission will die Länder dabei unterstützen,

Folgen auszugleichen - und Europas Tourismus stärken.

Brüssel (dpa) - Viele Touristen zieht es an die gleichen Orte - die
Europäische Kommission will dabei helfen, das etwas auszugleichen.
«Die Hälfte der touristischen Übernachtungen in Europa konzentriert
sich auf lediglich 13 Prozent der Regionen», sagte
EU-Tourismuskommissar Apostolos Tzitzikostas in Brüssel. Beliebte
Reiseziele stünden deshalb vor der Herausforderung, das richtige
Gleichgewicht zu finden - insbesondere während der sommerlichen
Hochsaison. 

Mit einer neuen Tourismusstrategie wolle die EU-Kommission deshalb
erreichen, dass «echter Mehrwert» geschaffen und zugleich die
Lebensqualität der lokalen Bevölkerung geschützt werde. «Wir müss
en
auf die Anliegen all jener Menschen reagieren, die dem Tourismus in
ihren Heimatregionen zunehmend skeptisch gegenüberstehen. Wir müssen
diese lokalen Gemeinschaften und Unternehmen unterstützen, anstatt
einfach nur immer höhere Besucherzahlen anzustreben», sagte
Tzitzikostas Journalisten. 

Ziel: Tourismus soll allen zugutekommen

Innerhalb der nächsten sechs Monate werde man Empfehlungen für einen
ausgewogenen Tourismus vorlegen, kündigte der griechische Politiker
an. Besucherströme sollen nach Angaben der Behörde gleichmäßiger
über
Jahreszeiten und Reiseziele verteilt werden.

In der EU sind vor allem die einzelnen Staaten für Regelungen zum
Thema Tourismus zuständig. Mit einer übergreifenden Strategie, die
nicht verbindlich ist, will Brüssel aber helfen, gemeinsame
Herausforderungen zu bewältigen. So soll zum Beispiel in den
kommenden Jahren eine Tourismusakademie zur Ausbildung von
Fachpersonal entstehen, die Infrastruktur in Europa soll verbessert
werden, Daten sollen besser geteilt, Europa als weltweites Reiseziel
gestärkt und besonders in Krisen wie der Preiskrise infolge des
Iran-Kriegs noch besser zusammengearbeitet werden. 

Austausch zu Reizthema Kreuzfahrten angekündigt

Besonderes Augenmerk soll auch auf Kreuzfahrttourismus gelegt werden.
«Kreuzfahrten bringen Besucher und wirtschaftliche Aktivitäten in
Hafenstädte und Küstenregionen. Wenn jedoch sehr viele Passagiere
gleichzeitig ankommen, kann dies die lokale Infrastruktur, die Umwelt
und die Bevölkerung erheblich belasten.» Darüber sollen sich
verschiedene Akteure austauschen. 

Im europäischen Tourismussektor sind laut Tzitzikostas mehr als 20
Millionen Menschen beschäftigt und 5 Millionen Unternehmen aktiv. 99
Prozent davon seien kleine und mittlere Unternehmen. Die EU ziehe 40
Prozent der weltweiten Touristen an. Gleichzeitig fehlten geschätzt 1
Million Arbeitskräfte. Zudem setzen demnach Klimawandel,
internationaler Wettbewerb etwa aus Asien sowie die Kriege in Iran
und der Ukraine mit Folgen für das Sicherheitsgefühl mancher Urlauber
und etwa Flugpreise der Branche zu. 

Bis zum Ende des laufenden Langzeithaushalts (2021 bis 2027) werde
die Branche voraussichtlich 18 Milliarden Euro an EU-Unterstützung
erhalten haben.