Bahn-Großprojekt Brenner-Nordzulauf hängt im Bundestag fest
04.11.2026 12:59
Seit den 1990er Jahren befürworten wechselnde Bundesregierungen den
Ausbau der deutschen Anbindung an den Brennerbasistunnel durch das
bayerische Inntal. Doch faktisch ist das Projekt blockiert.
Berlin (dpa/lby) - Der Verkehrsausschuss des Bundestags hat die seit
langem überfällige Entscheidung über eines der größten bayerische
n
Bahnprojekte auf die lange Bank geschoben: Im Januar soll es zunächst
eine neuerliche Anhörung zum Trassenvorschlag der DB über den
geschätzt 8,6 Milliarden Euro teuren Ausbau der Bahnstrecke
Rosenheim-Kiefersfelden geben. Das teilte auf Anfrage die
Grünen-Bundestagsabgeordnete Victoria Broßart mit, die
Berichterstatterin für diesen Tagesordnungspunkt ist.
Seit Jahrzehnten politisch blockiert
Der Plan der DB ist heftig umstritten: Bürgerinitiativen fordern
einen Verzicht auf den Neubau und stattdessen die Modernisierung der
170 Jahre alten Trasse. Die unter dem Druck der Bürgerinitiativen
stehende CSU wiederum verlangt umfangreiche Änderungen am
DB-Vorschlag. Eigentlich hätte noch der vorige Bundestag im Frühjahr
2025 über die Trassenplanung entscheiden sollen. Nach der
vorgezogenen Bundestagswahl war von Frühjahr 2026 die Rede,
schließlich von Herbst 2026. Die Strecke soll auf deutscher Seite die
Verbindung zum österreichisch-italienischen Brennerbasistunnel werden
und die von Millionen Urlaubern und Lkw-Fahrern aus ganz Europa
genutzte Brenner-Autobahn entlasten, die meistgenutzte Verbindung aus
dem Norden Europas nach Italien. Diskutiert wird seit Jahrzehnten.
Grünen-Vorwürfe an die CSU
Nun steht fest, dass es auch in diesem Jahr keine Entscheidung mehr
geben wird. Broßart warf der CSU vor, das Projekt mit allen Mitteln
zu verzögern. «Das Projekt ist weiterhin nicht finanziert, weil die
Koalition sich weigert, das Geld dafür im Haushalt einzuplanen»,
sagte die Grünen-Abgeordnete nach der Abstimmung. «Um das zu
verschleiern, wird die parlamentarische Befassung in die Länge
gezogen und stets darauf verwiesen, erst deren Ende abwarten zu
müssen.»
Der eigentliche Brennerbasistunnel ist - rechnet man die
vorbereitenden Arbeiten mit - seit bald zwanzig Jahren im Bau. Auf
italienischer Seite ist die Planung mehrerer Bauabschnitte des
Südzulaufs ebenfalls abgeschlossen oder weit fortgeschritten, zum
Teil laufen auch dafür bereits Bauarbeiten. Einzig auf deutscher
beziehungsweise bayerischer Seite ist bislang nicht einmal der
Trassenverlauf verbindlich geplant. Im Jahre 1994 hatte der damalige
Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann (CDU) Österreich und Italien
versprochen, die deutsche Zulaufstrecke «zeitgerecht» zu bauen.
