Was die US-Wahlen für Deutschland und die Welt bedeuten Von den dpa-Korrespondentinnen und -Korrespondenten

04.11.2026 13:13

Es ist eine krachende Wahlniederlage, die Trump innenpolitisch massiv
unter Druck setzt. Aber was bedeutet sie für die Außenpolitik? Wird
er nun berechenbarer oder eskaliert er zu einer «Angry Duck»?

Berlin/Washington (dpa) - Erleichterung, Hoffnung, aber auch viel
Skepsis: Das sind die Reaktionen in Deutschland nach der krachenden
Wahlniederlage von US-Präsident Donald Trump und dem Triumph der
oppositionellen Demokraten. Innenpolitisch wird ihn das Ergebnis
massiv unter Druck setzen. Was es für die Außenpolitik bedeutet, ist
aber offen.

Unter deutschen Parlamentariern überwiegen da eher die Befürchtungen.
«Er kommt innenpolitisch unter Druck, aber das kann es außenpolitisch
gerade gefährlich machen, dass er noch mehr zeigen will: Ich bin noch
da, ich bin noch Akteur», sagte der Vorsitzende des Auswärtigen
Ausschusses im Bundestag, Armin Laschet (CDU), bei Welt TV. 

Ähnlich äußerte sich die SPD-Außenpolitikerin Siemtje Möller im
ARD-«Morgenmagazin»: Sie hoffe, dass Trump nun nicht zu einer «Angry

Duck» werde, zu einer «wütenden Ente», die seine innenpolitische
Schwäche durch außenpolitische Muskelspiele zu kompensieren versucht.

Was kann die Wahl also für die einzelnen Weltregionen bedeuten und
hat die neue demokratische Mehrheit im Kongress irgendeinen konkreten
Einfluss auf das Agieren Trumps in der Außenpolitik? 

Deutschland und Europa

Führende Demokraten kritisieren Trump für seine Zollpolitik, seine
kritische Haltung zur Nato und den angekündigten Abzug von US-Truppen
aus Europa. Doch was sie mit ihren Mehrheiten im Kongress bewirken
können, ist fraglich. Denn zum einen können die Demokraten viele
Gesetze - etwa zu Zöllen - nur mit einer Mehrheit von 60 Stimmen
durch den Senat bringen, sind also auf die Unterstützung einiger
Republikaner angewiesen. Zum anderen kann Trump Gesetze mit einem
Veto stoppen, das nur mit einer Zweidrittelmehrheit in beiden
Parlamentskammern überstimmt werden könnte. 

In der EU gibt es die Hoffnung, dass es zumindest in der
Handelspolitik nicht zu einer Verschärfung des Trump-Kurses kommt.
Der EU-Abgeordnete Bernd Lange (SPD), Vorsitzender des
Handelsausschusses des Parlaments, warnt jedoch: Der deutliche Erfolg
der Demokraten sei kein Freifahrtschein für eine grundlegende
Kehrtwende in der amerikanischen Wirtschafts- und Handelspolitik.
«Das Prinzip der Homeland Economy, also die Bevorzugung der eigenen
Wirtschaft, ist auch bei den Demokraten tief verankert», teilte Lange
mit. 

Ukraine und Russland

Die Auswirkungen der Wahlen auf die diplomatischen Bemühungen der USA
um Frieden in der Ukraine werden nicht nur in Kiew und Moskau,
sondern auch in den europäischen Hauptstädten besonders genau
verfolgt. Nächste Woche gehen die direkten Gespräche zwischen
Russland und der Ukraine unter Vermittlung der USA in eine neue
Runde. 

Trump hatte sich zuletzt eher auf der Seite Russlands positioniert,
sogar die Ablösung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj
gefordert. Die Demokraten stehen dagegen für eine stärkere
Unterstützung der Ukraine und mehr Druck auf Russland. Doch auch neue
Sanktionspakete können am Veto des Präsidenten scheitern. 

In Kiew hofft man auf eine Entspannung im Verhältnis zu Washington.
Es gibt aber auch die Befürchtung, dass Trump die Ukraine zum
Sündenbock machen, seine ohnehin nur noch homöopathische
Unterstützung für Kiew zurückfahren und stattdessen ohne Rücksicht

auf ukrainische Interessen weitere Deals mit Moskau einfädeln könnte.

China

Die chinesische Führung zeigte sich vom Wahlergebnis zunächst
unbeeindruckt. Das Außenministerium kommentierte die Ergebnisse auf
Nachfrage nicht - unter Verweis darauf, dass es sich um eine innere
Angelegenheit der USA handele. Man sei aber weiterhin mit den USA zur
Zusammenarbeit und Regelung von Streitigkeiten bereit, hieß es.

Mitte November werden sich Trump und der chinesische Präsident Xi
Jinping beim Apec-Wirtschaftsgipfel im chinesischen Shenzen treffen
und dann im Dezember noch einmal beim G20-Gipfel in den USA. Diese
Begegnungen werden Aufschluss darüber geben, ob sich in der Tonlage
zwischen den beiden etwas ändert.

Der Einfluss des Kongresses ist hier begrenzt und beschränkt sich auf
politischen Druck. Führende Demokraten sowie einige Republikaner
sprechen sich für eine stärkere Unterstützung Taiwans aus, was die
Beziehungen zu Peking belasten würde. Aber schon ein entsprechender
Vorstoß des Kongresses vor den Midterms scheiterte am Widerstand des
Präsidenten.

Iran und Israel 

In den vergangenen Wochen hatte Trump immer wieder von neuen
Angriffen auf den Iran nach den Midterms gesprochen. Wenige Stunden
vor Schließung der Wahllokale am Dienstag änderte sich das wieder. Er
sprach in der britischen «Financial Times» plötzlich von
Verhandlungserfolgen. 

Nun ist unklar, wie es weitergeht. Die einen sagen, Trump könnte den
schwindenden Rückhalt zu Hause zum Anlass nehmen, stärker nach einer
Verhandlungslösung zu suchen. Aber auch das gegenteilige Szenario
wird von Analysten für möglich gehalten. 

Und was ist mit dem Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern
im weitgehend zerstörten Gazastreifen und im Westjordanland? Die
Denkfabrik Chatham House schrieb vor den Wahlen, ein demokratisch
kontrollierter Kongress könnte in den Jahren 2027 und 2028 versuchen,
die israelische Regierung stärker zur Rechenschaft zu ziehen - etwa
wegen Gewalt gegen Palästinenser und den Siedlungsbau im besetzten
Westjordanland. 

In Israel wird mit großer Sorge der Erfolg von Kandidaten
registriert, die als ausgesprochen israelkritisch gelten. Dazu zählt
der Demokrat Abdul El-Sayed, der als erster Muslim in der Geschichte
der USA in den Senat gewählt wurde.