Schah-Sohn Pahlavi drängt EU zu mehr Druck auf Teheran
04.11.2026 18:34
Der iranische Oppositionspolitiker Reza Pahlavi besucht Brüssel. Dort
fordert er ein härteres Vorgehen der EU. Außerdem weist er Kritik an
einer Preisverleihung der Friedrich-Naumann-Stiftung zurück.
Brüssel (dpa) - Der iranische Oppositionspolitiker Reza Pahlavi hat
bei einem Besuch im EU-Parlament die Staatengemeinschaft zu einem
härteren Vorgehen gegen die Führung in Teheran aufgerufen. Die EU
solle Netzwerke kappen und Diplomaten ausweisen, den wirtschaftlichen
Druck mit Sanktionen erhöhen und gemeinsam mit Technologiefirmen den
Internetzugang für Iranerinnen und Iraner sichern, forderte Pahlavi
in Brüssel. Die EU solle im Umgang mit dem Iran dieselbe
Entschlossenheit an den Tag legen wie gegenüber Kremlchef Wladimir
Putin.
Pahlavi macht die Führung in Teheran für den Tod Tausender Menschen
verantwortlich. Der im US-Exil lebende Sohn des 1979 gestürzten
Schahs hat sich als Übergangsführer ins Spiel gebracht. Viele sehen
die Personalie kritisch, insbesondere wegen der monarchistischen
Vergangenheit des Landes. Die Linken-Europaabgeordnete Özlem Demirel
teilte mit: «Die Menschen im Iran kämpfen seit Jahren für Demokratie,
Freiheit, Frauenrechte, soziale Sicherheit und gleichberechtigte
Teilhabe aller Ethnien - nicht für eine Krone!» Pahlavi erklärte, er
verstehe sich nur als «Brücke» zu einer Demokratie. Am Ende müsse e
s
ein Referendum geben.
Kontroverse um Preisvergabe
Darüber hinaus äußerte sich Pahlavi zur Verleihung des
Freiheitspreises der Friedrich-Naumann-Stiftung an das iranische
Volk, den er treuhänderisch entgegennehmen soll. Das kritisieren etwa
iranische Organisationen, ehemalige Gefangene aus der Schah-Zeit,
Linke, die Parteien Volt und Grüne in Frankfurt sowie ein offener
Brief, den etwa der frühere deutsche UN-Botschafter Joachim Rücker
und die ehemalige Bundesjustizministerin Brigitte Zypries
unterzeichneten.
Pahlavi erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: «Ich bin nur
der Hüter dieser Auszeichnung». Dass die liberale politische Stiftung
seinen Aufruf zum Handeln erkannt habe, zeige seine zentrale Rolle.
Viele seiner Landsleute, sowohl im Iran als auch im Ausland, teilten
ihm zufolge die Unterstützung durch die Stiftung. Kritikern warf er
vor, Propaganda-Narrative zu verbreiten.
Der Freiheitspreis wird seit 2006 alle zwei Jahre für herausragendes
Engagement zugunsten einer liberalen Bürgergesellschaft verliehen.
Die Veranstaltung soll am Samstag in der Frankfurter Paulskirche
stattfinden.
