Gesundheits-Fachleute fordern verbindlichen Hitzeschutz

05.11.2026 07:00

Waldbrände, überhitzte Wohnungen, Zehntausende zusätzliche Tote:
Gesundheitsfachleute kritisieren Europas Hitzeschutz als
unzureichend. Was sie konkret fordern.

Berlin (dpa) - Mehr als 1.200 Menschen fordern von den
EU-Institutionen verbindliche Maßnahmen für einen besseren
Hitzeschutz. Der Schutz der Bevölkerung im europäischen Sommer
erfordere «einen radikalen Wandel», heißt es in einem offenen Brief
an die EU-Kommission und das Europaparlament. 

Kritik: bestehende Regelungen unverbindlich und unterfinanziert

Die insgesamt 1.240 Unterzeichner kommen nach Angaben der Deutschen
Allianz Klimawandel und Gesundheit überwiegend aus dem
Gesundheitsbereich. Zu ihnen gehören Ärztinnen und Ärzte,
Pflegefachpersonen, Hebammen, Rettungs- und Feuerwehrkräfte,
Fachleute des öffentlichen Gesundheitsdienstes und Forschende.

«Was heute existiert, ist weitgehend unverbindlich und unzureichend
finanziert», schreiben die Unterzeichner. Derzeitige Initiativen
sowohl auf nationaler als auch auf EU-Ebene reichten nicht aus, um
die gravierenden tödlichen Auswirkungen zu verhindern. Konkret
fordern die Absender unter anderem einen besseren und verbindlichen
Arbeitsschutz bei Hitze, Vorgaben für Hitzeschutz in Gebäuden, das
Auslaufen von Subventionen für fossile Kraftstoffe und Einsatz für
die Klimaziele.

«Hitze tötet leise»

Im vergangenen Sommer habe es in Europa mehr als 30.000 zusätzliche
Tote gegeben, heißt es in dem Brief. «Die Opfer waren überwiegend
ältere Menschen, überproportional Frauen, Menschen mit chronischen
Erkrankungen,
im Freien Beschäftigte und Alleinlebende in überhitzten Wohnungen.»
 

Beate Müller, Professorin für Allgemeinmedizin an der Universität
Köln, erklärte: «Hitze tötet leise. Sie tötet in überhitzten
Wohnungen, in Pflegeheimen und in Zimmern ohne Beschattung, und sie
trifft zuerst die Ältesten und die Ärmsten. Schutz vor Hitze ist eine
Frage der Gerechtigkeit.»

Wer unterzeichnet hat

Der Präsident des Verbands der Feuerwehren der Europäischen Union
Karl-Heinz Banse erinnerte an die Belastungen seiner Kollegen bei den
Waldbränden. «In Frankreich und Spanien haben sie diesen Sommer gegen
verheerende Waldbrände gekämpft, vielerorts weit über der
Belastungsgrenze. Dafür brauchen wir verbindliche Vorgaben zum Schutz
der Einsatzkräfte und der Bevölkerung.»

Zu den Unterzeichnern des Schreibens gehören der Präsident der
Europäischen Fachgesellschaft für Notfallmedizin Christoph Dodt, der
Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte Michael
Hubmann und der Bundesvorsitzende des Hausärztinnen- und
Hausärzteverbands Markus Blumenthal-Beier. Wie alle Unterzeichnenden
haben sie in persönlicher Eigenschaft gezeichnet.