Ukraine-Krieg: Meloni fordert gemeinsame Stimme Europas

05.11.2026 14:21

Wer spricht für Europa, wenn über ein Ende des Ukraine-Kriegs
verhandelt wird? Italiens Ministerpräsidentin Meloni schreibt einen
eindringlichen Brief und drängt auf eine verbindliche Entscheidung.

Rom (dpa) - Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni fordert eine
verbindliche Entscheidung darüber, wer Europa bei Verhandlungen über
ein Ende des Ukraine-Kriegs vertritt. «Was ich weiterhin fordere,
ist, dass ein für alle Mal entschieden wird, wer am Verhandlungstisch
im Namen der Europäischen Union sitzt und mit welchem Mandat»,
schrieb Meloni in einem Brief an EU-Ratspräsident António Costa, der
der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Die italienische Regierungschefin erklärte, ein «uneinheitliches
Vorgehen mit Initiativen, die sich gegenseitig jagen und
überschneiden», werde Europa «weder bei unseren Partnern helfen noch

bei jenen, die wir davon überzeugen müssen, eine sinnlose Aggression
zu beenden».

Meloni fordert Entscheidung beim Europäischen Rat

Beim nächsten informellen Europäischen Rat in Dublin kommende Woche
solle diese Frage unter den Partnern erörtert werden, forderte Meloni
in dem Schreiben. Der Europäische Rat am 17. und 18. Dezember in
Brüssel wiederum soll dadurch in der Lage sein, «nach einer
Abstimmung mit dem Vereinigten Königreich, Norwegen und den anderen
interessierten europäischen Partnern eine entsprechende Entscheidung
förmlich zu beschließen».

Sollte keine Einigung auf eine gemeinsame Stimme gelingen, drohe
Europa im Verhandlungsprozess die Bedeutungslosigkeit, warnte Meloni.
Sie erklärte weiter, man gebe sonst weiter das Bild eines Europas ab,
das uneinheitlich vorgehe. Dies diene den Interessen jener, die
wollen, dass dieser Krieg weitergeht. «Und ich halte das für
inakzeptabel, angesichts der Tatsache, dass Menschenleben und die
Zukunft unserer Sicherheit auf dem Spiel stehen.»

Zuletzt Kritik an Stubb-Støre-Telefonat mit Putin

Meloni hatte sich bereits in der Vergangenheit mehrfach kritisch über
einzelne Initiativen und Gesprächsformate gezeigt, die ihrer Ansicht
nach zu einer Zersplitterung der europäischen Position in der
Ukraine-Frage beitragen. Zuletzt gab es aus Rom Kritik an dem unter
den Europäern nicht koordinierten Telefonat von Finnlands Präsident
Alexander Stubb und Norwegens Regierungschef Jonas Gahr Støre mit
Kremlchef Wladimir Putin Ende Oktober.