Ischinger: US-Wahlergebnis ist «riesige Chance» für Europäer

06.11.2026 10:38

Als Chef der Münchner Sicherheitskonferenz hat Wolfgang Ischinger
viele Krisen erlebt. Jetzt sieht er den Anfang vom Ende der
MAGA-Bewegung Donald Trumps gekommen. Und empfiehlt, bald Flüge zu
buchen.

München (dpa) - Der deutsche Spitzendiplomat Wolfgang Ischinger sieht
das Ergebnis der Zwischenwahlen in den USA als «riesige Chance» für
Europa - und möglichen Anfang vom Ende der MAGA-Bewegung von Donald
Trump. Der US-Präsident habe unter dem Leitspruch «Make America Great
Again» eine «ganz besondere Art von Herrschaft» ausgeübt, deren
Fundament nun bröckele, sagte der langjährige Leiter der Münchner
Sicherheitskonferenz dem Deutschlandfunk. «Ich würde mal die Prognose
wagen, dass wir in einigen wenigen Jahren von der MAGA-Bewegung als
einer Sache sprechen, die eben in den 2020er Jahren eine Rolle
spielte und dann wieder verschwunden ist.»

Erste Absetzungsbewegungen seien bereits erkennbar - nicht nur bei
Vizepräsident JD Vance, der sich offenbar schon als Trumps Nachfolger
für die Präsidentenwahl 2028 in Stellung bringe. Die Übergangsphase
bis dahin und den Machtwechsel im US-Parlament sollten sich
Deutschland und die anderen europäischen Staaten gezielt zunutze
machen, empfiehlt Ischinger.

«Keine Ahnung, was Krieg wirklich ist»

«Wir haben ab Januar, wenn dieser neue Kongress zusammentritt, eine
riesige Chance, mit einer relativ bedeutenden Zahl von ganz neuen
Senatoren, mit einer relativ noch bedeutenderen Zahl von ganz neuen
Mitgliedern (...) des Repräsentantenhauses Kontakt aufzunehmen»,
sagte der 80-Jährige. Unter diesen Vorzeichen sei es ratsam, so viele
Abgesandte wie möglich nach Washington zu schicken und dort ins
Gespräch zu kommen - mit Abgeordneten, mit der Zivilgesellschaft und
parallel auch mit der Trump-Regierung.

Möglichst viele der neuen US-Senatoren, die mit Außen, Sicherheits-
und Verteidigungspolitik zu tun haben werden, wolle er auch zur
nächsten Sicherheitskonferenz im Februar nach München einladen - und
nicht nur dorthin. «Wir müssen dafür sorgen, dass möglichst viele
amerikanische Abgeordnete mal die Ukraine besuchen», sagte Ischinger.
«Die haben ja keine Ahnung, was Krieg wirklich ist.»