EU-Länder wollen Klimaregeln wegen Energiekrise verschieben

06.11.2026 11:25

Steht Klimaschutz hinten an? Als ein Mittel gegen die ausufernden
Energiepreise sehen es Deutschland und andere EU-Länder, bestimmte
Klimaschutzregeln später anzuwenden. Was bedeutet das genau?

Brüssel (dpa) - Angesichts der Energiepreiskrise sollen nach dem
Willen Deutschlands und anderer EU-Länder bestimmte Klimaschutzregeln
für importierte fossile Brennstoffe später als geplant greifen. Bei
einem Treffen der Botschafter der Mitgliedstaaten in Brüssel stimmte
eine Mehrheit dafür, dass Importeure von Öl, Gas und Kohle erst ab
2028 EU-Klimaschutzregeln für das klimaschädliche Treibhausgas Methan
befolgen müssen - ein Jahr später als bisher vorgesehen. Das teilte
die derzeitige irische Ratspräsidentschaft mit. 

Die einjährige Verschiebung soll auch zusätzlichen Druck auf die
Versorgungssicherheit bei importierten fossilen Brennstoffen
vermeiden. 26 der 27 Mitgliedsländer sprachen sich für das
Verschieben aus, nur Spanien war nach Informationen der Deutschen
Presse-Agentur dagegen.

In der Bundesregierung hatte es zunächst Uneinigkeit über das
Vorhaben gegeben. Bundesumweltminister Carsten Schneider bekräftigte,
an der Reduzierung der Methanemissionen festhalten zu wollen.
Energieministerin Katherina Reiche (CDU) zeigte sich offen für mehr
Flexibilität. Man habe sich entschlossen zuzustimmen, auch wenn es
nicht sein «allererster Wunsch» gewesen sei, sagte Schneider nun.

Einige Regeln gibt es schon

Schon seit 2024 sind in der EU Regeln in Kraft, die die
Methan-Emissionen des Energiesektors senken sollen. So müssen
Betreiber von Öl- und Gasanlagen regelmäßig nach größeren Methanl
ecks
suchen und diese reparieren. Außerdem ist in den Anlagen das Lüften
oder Abfackeln, wobei Methan in die Atmosphäre freigesetzt wird,
unter bestimmten Umständen verboten.

Eigentlich müssen Unternehmen ab 1. Januar 2027 für bestimmte
Lieferverträge auch nachweisen, dass der Produzent im Herkunftsland
seine Methan-Emissionen mindestens so sorgfältig überwacht und
dokumentiert, wie die EU es von ihren eigenen Unternehmen verlangt.
Diese Pflicht könnte nun erst später greifen - dafür müssen sich di
e
Länder noch mit den EU-Abgeordneten verständigen.

Außerdem sprechen sich die EU-Länder für eine Überprüfungsklausel

aus. Sollten bis Ende September nächsten Jahres bestimmte Bedingungen
nicht erfüllt sein, könnte weiter verschoben werden.

Das Parlament sprach sich jüngst mehrheitlich dafür aus, die Regeln
für importierte fossile Brennstoffe erst ab Mai 2031 anzuwenden - gut
drei Jahre später als bisher vorgesehen. Damit gehen sie über den
Vorschlag der EU-Kommission hinaus, die die Pflicht auch um ein Jahr
verschieben will.

Schädliches Treibhausgas

Methan ist dem Umweltbundesamt zufolge nach Kohlendioxid das
Treibhausgas mit der zweitgrößten Bedeutung und für Klimaerwärmung

und Luftverschmutzung verantwortlich. Es bleibt zwar kürzer in der
Atmosphäre, ist dafür aber schädlicher als CO2. Methan entsteht in
der Landwirtschaft, auf Mülldeponien sowie in der Öl- und
Gasindustrie.