EU um 1,1 Millionen Euro Fördermittel betrogen? Festnahme

06.11.2026 13:53

Mit dem Geld sollen historische Gebäude für kulturelle Aktivitäten
renoviert werden. So hieß es zumindest. Inzwischen gehen Behörden
davon aus, dass das Geld woanders landete.

Berlin/Halle/München (dpa) - Weil er mehr als 1,1 Millionen Euro
Fördermittel zu Unrecht kassiert haben soll, ist ein Mann in
Sachsen-Anhalt festgenommen worden. Zeitgleich dazu gab es
Durchsuchungen bei ihm sowie bei zwei weiteren Verdächtigen in
München, wie die Europäische Staatsanwaltschaft (EUStA) in Berlin
mitteilte. Die Einsätze erfolgten demnach bereits am Dienstag. Nach
den Angaben wurden dabei Beweismittel gesichert und Vermögenswerte
beschlagnahmt, hauptsächlich in Form von Bankkonten und Immobilien.

Bei dem Hauptverdächtigen handelt es sich laut Staatsanwaltschaft um
den Vertreter zweier gemeinnütziger Vereine mit Sitz in
Sachsen-Anhalt. Der Mann beantragte und erhielt EU-Zuschüsse aus dem
Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). Die Summe von
mehr als 1,1 Millionen Euro war gedacht für die Renovierung zweier
historischer Gebäude, die nach ihrer Renovierung kulturellen
Aktivitäten dienen sollten.

Tatsächlich soll der Verdächtige jedoch einen großen Teil des Geldes

auf seine persönlichen Bankkonten umgeleitet haben. Mit gefälschten
Rechnungen, Quittungen und andere Dokumente soll er dann nach den
Ermittlungen versucht haben, dies zu verschleiern.

Gebäude in Brand gesetzt?

Kurz bevor es vor Ort zu Überprüfungen seitens der Bank kommen
sollte, soll der Mann eines der Gebäude in Brand gesetzt haben, um
den mutmaßlichen Betrug zu verbergen. Den Angaben nach zahlte eine
Versicherungsgesellschaft mehr als 258.000 Euro wegen des geltend
gemachten Schadens aus.

Die Europäische Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Mann unter
anderem wegen Subventionsbetrugs, Brandstiftung und schweren Betrugs.
Er befindet sich in Untersuchungshaft. Es gilt die Unschuldsvermutung
bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung.

Die EUStA ist bei Ermittlungen in Bezug auf Straftaten zum Nachteil
der finanziellen Interessen der EU zuständig. Sie hat mehrere
Behördensitze in Deutschland, unter anderem in Berlin. Das Besondere
an der neuen Behörde ist vor allem, dass sie grenzüberschreitend
tätig werden kann. Es sind keine umständlichen und zeitaufwendigen
Rechtshilfeersuchen in den jeweiligen Ländern nötig.