Führerschein in Tschechien

Verlockend günstig aber in Deutschland nicht gültig

Der westböhmische Kurort Karlovy Vary (Karlsbad) ist berühmt für sein Heilwasser, seine Oblaten - und bald vielleicht auch für seine Führerscheine. Denn seit dem tschechischen EU-Beitritt am 1. Mai werde die Stadtverwaltung mit Anfragen von Deutschen überhäuft, die in der Stadt den «ridicak» machen wollten, sagt Petr Masak, Leiter des kommunalen Info-Zentrums: «Karlsbad ist keine Ausnahme - ich weiß, dass auch andere Städte und Fahrschulen solche Anrufe und E-Mails aus Deutschland und Österreich bekommen.»

Der Grund ist einfach: In Deutschland kostet das Erlangen eines Führerscheins laut Statistik durchschnittlich 1500 Euro. In Tschechien hingegen betragen die Gebühren umgerechnet 300 Euro, plus Kosten für einen staatlich geprüften Dolmetscher. Den brauche ein Ausländer in jedem Fall, sagt Bohumil Hejhal, Besitzer einer Fahrschule in Karlsbad: «Ein solcher Übersetzer kostet etwa 13 Euro pro Stunde, denn man kann für den theoretischen Unterricht nicht irgend einen von der Straße holen, der zufällig Deutsch spricht.»

Ein Dolmetscher sei auch dann unverzichtbar, wenn ein Fahrschüler etwas Tschechisch spreche, unterstreicht Antonin Naus, Verkehrsamts-Leiter der westböhmischen Stadt Klatovy (Klattau): «Und wir passen genau auf, dass bei der Prüfung nicht etwa der Übersetzer für den Deutschen die Aufgaben löst.» Rechne man rund 500 Euro Honorar für den Dolmetscher, koste ein tschechischer Führerschein insgesamt etwa die Hälfte dessen, was man in Deutschland zahlen müsse, sagt Jiri Paboucek, Betreiber einer Fahrschule in Cheb (Eger).

«Ausländische Schüler haben wir seit Jahren - Vietnamesen, und in letzter Zeit Ukrainer», erzählt Fahrschulen-Besitzer Martin Lang aus Klatovy. «Deutsche kommen eigentlich erst seit dem EU-Beitritt Tschechiens. Kann sein, dass die deutsche Polizei einigen von denen den Führerschein abgenommen hat und sie den "ridicak" deswegen in Tschechien machen. Unsere Behörden dürfen das aus Datenschutz nicht prüfen. Aber Vorsicht: In Deutschland darf man damit legal erst fahren, wenn die Strafe verbüßt ist», erinnert Lang.

Grundsätzlich darf jeder mit einem tschechischen Führerschein in Deutschland fahren. Denn obwohl innerhalb der EU unterschiedliche Verkehrsregeln gelten, haben sich die 25 Mitgliedstaaten
verpflichtet, nationale Führerscheine anzuerkennen, die in einem der Länder gültig ausgestellt wurden (EU-Richtlinie 91/439/EWG). «Es gibt aber eine Hürde», sagt Jarmila Benedikova, Betreiberin einer Autoschule in Cheb: «Nach EU-Recht darf nur der legal im Ausland einen Führerschein erwerben, der dort seinen Hauptwohnsitz und einen Aufenthalt von mindestens 185 Tagen nachweisen kann.»

Theoretisch muss die Ausländerpolizei in Prag dies prüfen. Jedoch räumen Fahrschulbesitzer hinter vorgehaltener Hand ein, deutschen Kunden «schon mal» eine tschechische Scheinadresse besorgt zu haben - natürlich für eine saftige «Gebühr».

Von Wolfgang Jung, dpa



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