Arbeiten in Italien

Ein Lebenslauf nach dem Gesetz 675/96

Im tristen, deutschen Winter reift vielleicht bei dem einen oder anderen die Idee, sein Leben ganz im sonnigen Süden zu verbringen und gezielt nach einer Arbeit in Italien zu suchen. Doch der Zugang zum dortigen Arbeitsmarkt ist nicht einfacher als in anderen europäischen Staaten zu bekommen. Denn auch die Situation in Italien ist von relativ hoher Arbeitslosigkeit geprägt, wobei die Chancen im Norden - selbst im deutschsprachigen Südtirol - erheblich besser sind als Süden mit einer Arbeitslosenquote von circa 20 Prozent. Und immer noch gilt, dass persönliche Kontakte - das Prinzip der "Passaparola" - das wichtigste sind, um einen Arbeitsplatz oder auch eine Wohnung zu finden.

Situation auf dem Arbeitsmarkt
Die Arbeitslosenquote in Italien bewegt sich zwar im europäischen Durchschnitt, aber es gibt ein extremes Nord-Süd-Gefälle. Mittelitalien und der Süden sind sehr stark von Arbeitslosigkeit betroffen, während die Situation auf dem Arbeitsmarkt im Norden auch im deutschsprachigen Südtirol gut ist. Für deutsche Arbeitssuchende von besonderem Interesse ist der Großraum Mailand mit den Provinzen Milano, Varese, Como, Bergamo und Novara.

Dies ist sozusagen das Kerngebiet deutscher Unternehmensaktivitäten in Italien, hier sind fast 60 Prozent aller deutschen Unternehmen angesiedelt. Für Italien ist Deutschland mit Abstand der größte Handelspartner: 19 Prozent aller italienischen Importe stammen aus Deutschland. 16,6 Prozent aller italienischen Exporte werden nach Deutschland geliefert. Die Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind daher vor allem von den Branchen abhängig. Dabei sollte deutsche Arbeitssuchende allerdings in Betracht ziehen, dass die Arbeitslosigkeit bei italienischen Jugendlichen und jungen Akademikern ebenfalls sehr hoch ist.

Stellensuche
Als erste Möglichkeit, von Deutschland aus eine Stelle zu suchen, bieten natürlich die gängigen Zeitungen wie "Corriere della Sera", "Il Sole - 24 ore" oder für Südtirol "Dolomiten". Doch aufgepasst, die meisten in Deutschland erhältlichen Ausgaben sind für das Ausland produziert und gerade um den begehrten Anzeigenteil abgespeckt. Da lohnt mittlerweile eher der Blick in das Internet sowohl auf die Zeitungsseiten als auch auf Internetportale, Zeitarbeitsfirmen oder Jobmessen (eine Liste finden Sie im Anhang).

Derjenige, der die örtliche Arbeitsvermittlung nutzen will, ist auf die Dienste der "Sezione circoscrizionale per l'impiego" angewiesen. Dafür benötigt er zuvor jedoch ein "Libretto di Lavoro", zumindest die Bescheinigung, dass ein solches Buch beantragt ist, das alle Arbeitsverhältnisse auflistet, und bei den kommunalen Meldebehörden erhältlich ist.

Deutschland als wichtigster Handelspartner Italiens eröffnet auch die Möglichkeit, sich direkt bei einem deutschen Unternehmen mit einer Niederlassung in Italien zu bewerben - eine Liste dieser Unternehmen ist erhältlich bei der Deutsch-Italienischen Handelskammer in Mailand. Wer eine Stelle im Bereich Sekretariat, Management oder Verkaufsdirektion sucht, kann sich sogar in die Personaldatenbank der Handelskammer eintragen lassen und hoffen, dass sich ein Arbeitgeber für ihn interessiert.

Auch eine Initiativbewerbung direkt bei den Firmen ist durchaus üblich, die notwendigen Adressen findet man über die "Yellow-Pages" oder in Firmenverzeichnissen wie "Kompass". Aber am Besten ist es immer noch, man hat einen italienischen Freund, der einen Freund hat, der weiß, wo jemand einen freien Arbeitsplatz hat.

Bewerbung
Knappe und präzise Bewerbungsunterlagen werden von den italienischen Arbeitgebern gerne gesehen, dabei reicht im Anschreiben ("la lettera di accompagnamento al curriculum") der Hinweis, auf welche Stelle man sich bewirbt und auf den beigefügten Lebenslauf, sowie eine nett formulierte Bitte um ein Vorstellungsgespräch.

Nur in Initiativbewerbungen ("la lettera di autocandidatura") sollten man auf die Gründe ("obiettivi") seiner Bewerbung eingehen. Ein Passfoto beizufügen ist ebenso unüblich wie Kopien von Diplomen, Zeugnissen oder ähnlichen Dokumenten. Diese Unterlagen sowie eventuelle Referenzen bringt man direkt zu den Vorstellungsgesprächen mit und es wirkt auch nicht unverschämt, wenn man auf persönliche Kontakte verweist - ganz im Gegenteil. Und wenn man dann eine Bewerbung abschickt, sollte sie - wie überall - aussagekräftig sein, aber den Zusatz "Vi autorizzo a trattare i miei dati ai sensi della legge 675/96" darf man auf keinen Fall vergessen.

Die Einstellungsverfahren können sich in Italien durchaus etwas hinziehen, da es aber nicht üblich, die Bewerbungsunterlagen zurückzusenden, sollte man nach circa drei Wochen nach Absendung der Unterlagen einmal telefonisch nachfragen.



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