Arbeiten in den Niederlanden

Vorbild für Arbeitsmarktpolitik

Seitdem in den 1980er Jahren im Abkommen von Wassenaar Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich auf eine Neuverteilung der Arbeit einigten, gelten die Niederlande als Vorbild für arbeitsmarktpolitische Maßnahmen.

Anfang der 1980er Jahre wurden auch die Niederlande von einer Rezession erschüttert, die Arbeitslosenquote erreichte 1982 14 Prozent. Seitdem verfolgt man dort das Prinzip einer geleiteten Marktpolitik. Die Wirtschaftspolitik des Staates wurde vor dem Hintergrund sozioökonomischer Aspekte aktiv gesteuert. Der Staat begrenzte den Anstieg der Löhne und Preise, förderte zugleich aber den Dienstleistungssektor. Dieses sogenannte "Poldermodell", begonnen mit dem Abkommen von Vassenaar, erwies sich seit Anfang der 80er Jahre als sehr erfolgreich und führte zu einem Abbau der Arbeitslosigkeit von 8,7 Prozent in 1994 auf 3,4 Prozent in 2001.

Ab der zweiten Hälfte 2001 geriet es jedoch durch Lohnforderungen der Gewerkschaften unter Druck. Zudem macht sich natürlich auch in den Niederlanden die negative Entwicklung der Weltwirtschaft bemerkbar. So stieg die Arbeitslosigkeit in den letzten Jahren. Insbesondere die Jugendarbeitslosigkeit hat rapide zugenommen.

Während die Anzahl der (Teilzeit-) Stellen im Öffentlichen Dienst, im Bildungs- und Gesundheitswesen im vierten Quartal 2002 um 103.000 gegenüber 2002 stiegen, büßte die Privatwirtschaft, im Schwerpunkt die Industrie, im gleichen Zeitraum 60.000 Stellen ein. Gemessen an Vollzeitstellen herrscht zum ersten mal seit 1994 insgesamt ein Stellenabbau. Im Herbst 2003 haben sich Regierung, Arbeitgeber und Gewerkschaften erneut zusamengesetzt.

Die ereichte Einigung sah vor, dass 2004 unabhängig von der Inflationsrate keine Tarifgehälter erhöht werden. Auch im Jahr 2005 sollte es praktisch keine Gehaltserhöhung geben. Im Gegenzug sollte die Regierung die Sozialgesetzgebung überarbeiten und zunächst auf einige umstrittene Eingriffe bei Regelungen - etwa für Frühpensionierung und Arbeitslosenvergütung - verzichten.

Gute Möglichkeiten auch für deutsche Bewerber bestehen bestehen vor allem im gewerblich-technischen Bereich (z.B. als Facharbeiter in der Industrie), im Baugewerbe, im Hotel- und Gaststättengewerbe sowie im medizinischen Sektor und in den modernen Servicedienstleistungen. Ein spürbarer Mangel an mittleren Führungskräften und Spezialisten ist auch für den technischen Bereich zu verzeichnen.

Ingenieure und IT-Fachleute sollten zumindest über fließende Englischkenntnisse verfügen. Auch wenn die Niederländer dafür bekannt sind, dass sie viele Fremdsprachen beherrschen, ist es in vielen Berufen wichtig und nützlich, auch des Holländischen mächtig zu sein, für Berufe wie Ärzte und Lehrer ist es natürlich Voraussetzung.

Stellensuche
Die staatlichen Arbeitsämter, die "Centra voor Werk en Inkomen" (früher "arbeidsbureaus") findet man in allen größeren Städten. Um sich dort einzuschreiben, genügt bereits der Nachweis der EU-Unionsbürgerschaft. Für die Arbeitsaufnahme wird aber generell eine Steuernummer, die sogenannte So-Fi-Nummer, benötigt, die einem das nächstgelegene niederländische Finanzamt ("belastingdienst") erteilt.

Die Samstagsausgaben der Tageszeitungen wie "Algemeen Dagblad", "De Telegraf" und "De Volkskrant" enthalten eine Vielzahl von Stellenangeboten, aber als Arbeitssuchender sollte man sich darüber im klaren sein, dass in den Niederlanden der Zugang zum Arbeitsmarkt fast ausschließlich über kommerzielle Arbeitsvermittler erfolgt. Diese "uitzendbureaus", unter ihnen auch die in Deutschland bekannten wie Randstad, Manpower und Adecco - vermitteln in der Regel befristete Arbeitsverhältnisse, wobei jedoch nicht ausgeschlossen ist, dass im Anschluß daran ein unbefristeter Vertrag geschlossen wird.

Daneben gibt es noch die "bemiddelingsbureaus", die selbst aber nicht als Arbeitgeber auftreten. Die Adressen dieser Vermittler findet man in den "gouden gids", den gelben Seiten.

Auch Antje hilft bei der Stellensuche. Antje ist eine Abkürzung für "Arbeiten in den Niederlanden - Training und Jobs in Europa", ein Angebot der Deutsch-Niederländischen Handelskammer, das deutschsprachige Arbeitskräfte mit interessierten niederländischen Firmen in Kontakt bringt. Für 29 Euro ebenfalls bei der Handelskammer erhältlich ist die CD-Rom "@Globe" mit grundlegenden Informationen zu Leben und Arbeiten in den Niederlanden.

Und für alle Nichtniederländer, also "undutchables" gibt es eine eigene Vermittlungsagentur. Unter dem Motto "Are you undutchable" kann man online ein erstes Stellengesuch aufgeben oder sich die Angebote für eine bestimmte Region anschauen. Eine weitere gute Kontaktmöglichkeit sind die einschlägigen Fachmessen wie "Studie Beurs" in Utrecht oder "Carrieredag" in Amsterdam.

Bewerbung
Weitaus üblicher als in Deutschland sind in den Niederlanden "open solicitaties", also Initiativbewerbungen. Alle Bewerbungen sollten kurz und sachbezogen sein und eine persönliche Angaben zum Bewerber enthalten. Der Bewerbungsbrief, möglichst in niederländischer Sprache verfasst, gliedert sich in der Regel in drei Abschnitte: warum man sich auf diesen Arbeitsplatz bewirbt, wie man sich auf Dauer für diesen motivieren kann und welche Qualitäten und Kompetenzen man mitbringt.

Der Lebenslauf (curriculum vitae) unterscheidet sich nicht von dem in Deutschland üblichen tabellarischen Lebenslauf, am Ende kann man erwähnen, dass man über Referenzen verfügt, die auf Wunsch namentlich genannt werden können. Ob Anlagen erforderlich sind, geht meist aus der Stellenausschreibung hervor, in der Regel werden aber keine Zeugniskopien verlangt. Sollten sie dennoch erforderlich sein, ist es sinnvoll, diese in der Übersetzung vorzulegen und darin enthaltene Noten auf das gänzlich andere Notensystem der Niederlande umzuschreiben.

Aufenthalt
EU-Bürger, die im Besitz eines gültigen Personalausweises oder Reisepasses sind, können sich in den Niederlanden bis zu 3 Monaten innerhalb eines halben Jahres ohne zusätzliche Formalitäten aufhalten. Bei einem längeren Aufenthalt muss eine Aufenthaltserlaubnis ("verblijfsvergunning") beantragt werden. Diese wird unter der Voraussetzung, dass der Antragsteller der Sozialversicherung nicht zu Last fällt und ausreichend krankenversichert ist, gewährt. Aufenthaltsgenehmigungen werden bei der Ausländerbehörde ("Vreemdelingenpolitie") der zuständigen Gemeinde beantragt. EU-Bürger benötigen keine Arbeitsgenehmigung ("tewerkstellingsvergunning").

Weitere Informationen:

Botschaft der Niederlande in Deutschland
Klosterstrasse 50
10179 Berlin
Tel.: 030 20 95 60
Fax: 030 20 95 64 41
E-Mail: nlgovbln@bln.nlamb.de

Deutsche Botschaft in den Niederlanden
Ambassade van de Bondsrepubliek Duitsland
Groot Hertoginnelaan 18 - 20
2517 EG Den Haag
Nederland
Tel.: 0031 70 342 06 00
Fax: 0031 70 365 19 57
Öffnungszeiten:
Montag - Donnerstag 08:00 - 16:30
Freitag 08:00 - 15:00

Deutsch-Niederländische Handelskammer
Nederlands-Duitse Kamer van Koophandel
Nassauplein 30
2585 EC Den Haag
Tel.: 0031 70 3114114
Fax: 0031 70 363 218
Email: info@dnhk.org

Europäisches Berufsberatungszentrum für die Niederlande
Dutumerstr. 5
48431 Rheine
Tel.: 05971 930 102
Fax: 05971 930 909
Rheine.Europaservice@arbeitsamt.de

Haus der Niederlande:
http://www.hausderniederlande.de

Centren für Arbeit und Einkommen (CWI) (Arbeitsämter):
https://www.werk.nl/werk_nl/werknemer/home​
http://www.btcweb.de (Baltic-Training-Center)

Informationen für Grenzpendler:
http://www.grenzpendler.nrw.de

Informationen zum Aufenthalt:
http://www.immigratiedienst.nl

Arbeitsvermittler:
Algemene Bond Uitzendondernemingen (ABU):
http://www.abu.nl

Niederländischer privater Internetstellenmark:
http://www.werk.nl
http://www.monsterboard.nl
http://www.expatica.com
http://www.randstad.nl
http://www.tempoteam.nl
http://www.manpower.com
http://www.adecco.com
http://www.projob.nl
http://www.undutchables.nl
http://www.intermediair.nl
http://www.grenzarbeiter.de

Gelbe Seiten:
http://www.goudengids.nl



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