Arbeiten in den Niederlanden

Vorbild für Arbeitsmarktpolitik

Seit Beginn der 1980er Jahre verfolgt man das Prinzip einer geleiteten Marktpolitik. Der Staat begrenzte den Anstieg der Löhne und Preise, förderte zugleich aber den Dienstleistungssektor. Dieses sogenannte "Poldermodell", begonnen mit dem Abkommen von Vassenaar, erwies sich seit Anfang der 80er Jahre als sehr erfolgreich und führte zu einem stetigen Abbau der Arbeitslosigkeit.

Situation auf dem Arbeitsmarkt

Die Arbeitslosenquote betrug Anfang 2018 4,2 Prozent, ein geringer Wert im Vergleich zum europäischen Durchschnitt (Quelle: Statista).

Die niederländische Wirtschaftsleistung ist sehr stark auf den Dienstleistungssektor ausgerichtet. So trägt dieser Sektor nahezu 79 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei, während die Industrie mit 19,5 und die Landwirtschaft nur mit 1,5 Prozent vertreten sind (Quelle: Statista).

Gute Möglichkeiten für deutsche Bewerber bestehen bestehen vor allem im gewerblich-technischen Bereich (z.B. als Facharbeiter in der Industrie), im Baugewerbe, im Hotel- und Gaststättengewerbe sowie im medizinischen Sektor und in den modernen Servicedienstleistungen. Ein spürbarer Mangel an mittleren Führungskräften und Spezialisten ist auch für den technischen Bereich zu verzeichnen.

Ingenieure und IT-Fachleute sollten zumindest über fließende Englischkenntnisse verfügen. Auch wenn die Niederländer dafür bekannt sind, dass sie viele Fremdsprachen beherrschen, ist es in vielen Berufen wichtig und nützlich, auch des Holländischen mächtig zu sein, für Berufe wie Ärzte und Lehrer ist es natürlich Voraussetzung.

Stellensuche

Die staatlichen Arbeitsämter, die "Centra voor Werk en Inkomen" findet man in allen größeren Städten. Um sich dort einzuschreiben, genügt bereits der Nachweis der EU-Unionsbürgerschaft. Für die Arbeitsaufnahme wird aber generell eine Steuernummer, die sogenannte So-Fi-Nummer, benötigt, die einem das nächstgelegene niederländische Finanzamt ("belastingdienst") erteilt.

Der niederländische Arbeitsmarkt wird von Zeitarbeitsunternehmen und Personaldienstleistern beherrscht. Dadurch erfolgt der Zugang zum Arbeitsmarkt häufig über kommerzielle Arbeitsvermittler. Diese "uitzendbureaus", unter ihnen auch die in Deutschland bekannten wie Randstad und Adecco - vermitteln in der Regel befristete Arbeitsverhältnisse, wobei jedoch nicht ausgeschlossen ist, dass im Anschluss daran ein unbefristeter Vertrag geschlossen wird.

Daneben gibt es noch die privaten "bemiddelingsbureaus", die selbst aber nicht als Arbeitgeber auftreten. Die Adressen dieser Vermittler findet man in den "gouden gids", den gelben Seiten. Die Deutsch-Niederländische Handelskammer hat eine Online-Jobbörse eingerichtet.

Die Samstagsausgaben der Tageszeitungen wie "Algemeen Dagblad", "De Telegraf" und "De Volkskrant" enthalten eine Vielzahl von Stellenangeboten.

Auch Antje hilft bei der Stellensuche. Antje ist eine Abkürzung für "Arbeiten in den Niederlanden - Training und Jobs in Europa", ein Angebot der Deutsch-Niederländischen Handelskammer, das deutschsprachige Arbeitskräfte mit interessierten niederländischen Firmen in Kontakt bringt.

Und für alle Nichtniederländer, also "undutchables" gibt es eine eigene Vermittlungsagentur. Unter dem Motto "Are you undutchable" kann man online ein erstes Stellengesuch aufgeben oder sich die Angebote für eine bestimmte Region anschauen. Eine weitere gute Kontaktmöglichkeit sind die einschlägigen Fachmessen wie "Studie Beurs" in Utrecht oder "Carrieredag" in Amsterdam.

Bewerbung
Weitaus üblicher als in Deutschland sind in den Niederlanden "open solicitaties", also Initiativbewerbungen. Alle Bewerbungen sollten kurz und sachbezogen sein und eine persönliche Angaben zum Bewerber enthalten. Der Bewerbungsbrief, möglichst in niederländischer Sprache verfasst, gliedert sich in der Regel in drei Abschnitte: warum man sich auf diesen Arbeitsplatz bewirbt, wie man sich auf Dauer für diesen motivieren kann und welche Qualitäten und Kompetenzen man mitbringt.

Der Lebenslauf (curriculum vitae) unterscheidet sich nicht von dem in Deutschland üblichen tabellarischen Lebenslauf, am Ende kann man erwähnen, dass man über Referenzen verfügt, die auf Wunsch namentlich genannt werden können. Ob Anlagen erforderlich sind, geht meist aus der Stellenausschreibung hervor, in der Regel werden aber keine Zeugniskopien verlangt. Sollten sie dennoch erforderlich sein, ist es sinnvoll, diese in der Übersetzung vorzulegen und darin enthaltene Noten auf das gänzlich andere Notensystem der Niederlande umzuschreiben.

Aufenthalt
EU-Bürger, die im Besitz eines gültigen Personalausweises oder Reisepasses sind, können sich in den Niederlanden bis zu 3 Monaten innerhalb eines halben Jahres ohne zusätzliche Formalitäten aufhalten. Bei einem längeren Aufenthalt muss eine Aufenthaltserlaubnis ("verblijfsvergunning") beantragt werden. Diese wird unter der Voraussetzung, dass der Antragsteller der Sozialversicherung nicht zu Last fällt und ausreichend krankenversichert ist, gewährt. Aufenthaltsgenehmigungen werden bei der Ausländerbehörde ("Vreemdelingenpolitie") der zuständigen Gemeinde beantragt. EU-Bürger benötigen keine Arbeitsgenehmigung ("tewerkstellingsvergunning").

Weitere Informationen:

Botschaft der Niederlande in Deutschland
Klosterstrasse 50
10179 Berlin
Tel.: 030 20 95 60
Fax: 030 20 95 64 41
E-Mail: bln@minbuza.nl

Deutsche Botschaft in den Niederlanden
Ambassade van de Bondsrepubliek Duitsland
Groot Hertoginnelaan 18 - 20
2517 EG Den Haag
Tel.: 0031 70 342 06 00
Fax: 0031 70 365 19 57
 

Deutsch-Niederländische Handelskammer
Nassauplein 30
2585 EC Den Haag
Tel.: 0031 70 3114 100
Fax: 0031 70 3114 199
Email: info@dnhk.org

Europäisches Berufsberatungszentrum für die Niederlande
Dutumerstraße 5
48431 Rheine
Tel.: 05971 930 0
Fax: 05971 930 900

Centren für Arbeit und Einkommen (CWI) (Arbeitsämter):
https://www.werk.nl/werk_nl/werknemer/home​
http://www.btcweb.de

Informationen für Grenzpendler:
http://www.startpuntgrensarbeid.nl/de

http://www.grenzarbeiter.de

Informationen zum Aufenthalt:
http://www.immigratiedienst.nl

http://www.berufsstart.de/bewerbung/ausland/bewerbung-niederlande.php

Arbeitsvermittler:
http://www.abu.nl

Niederländischer privater Internetstellenmarkt:
http://www.werk.nl
http://www.monsterboard.nl
http://www.expatica.com
http://www.randstad.nl
http://www.tempoteam.nl
http://www.manpower.com
http://www.adecco.com
http://www.projob.nl
http://www.undutchables.nl

Gelbe Seiten:
http://www.goudengids.nl



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