Wie funtioniert das ECTS (European Credit Transfer System)

Punkte sammeln für das Studium

Ich studiere an der Ludwig-Maximilians-Universität Nordische Philologie. Im kommenden Jahr werde für zwei Semester nach Kopenhagen gehen. Soweit ich weiß, gibt es ein System für die Anerkennung meiner dort erbrachten Leistungen. Wie funktioniert dieses System?

Das "European Credit Transfer System", das ECTS ist ein System für die akademische Anerkennung und den Transfer von im Ausland erbrachten Studienleistungen und Abschlüssen. ECTS soll das Studium im Ausland für die Studierenden transparenter und berechenbarer machen und die Anerkennung der akademischen Leistungen durch die Heimathochschule verbessern helfen.

Grundgedanke des Systems ist es, für Studienleistungen sogenannte "Credits" zu vergeben. "Credits" sind Punkte, die den Arbeitsaufwand für einen abrechenbaren Studienabschnitt kennzeichnen. Anhand dieser Credits wird die Vergleichbarkeit von Studienleistungen unterschiedlichster europäischer Studieneinrichtungen erreicht. Credits können für alle abrechenbaren Studienleistungen vergeben werden, daß sind nicht nur besuchte Vorlesungsreihen mit anschließend bewältigten Prüfungen, auch Praktika, Diplomerarbeitung usw. können mit Credits honoriert werden. Wichtig ist letztlich, daß die Studienleistung abrechenbar und bewertbar ist. Es ist ausdrücklich zu unterstreichen, daß Credits nicht die Studienleistung an sich (die Benotung), sondern den Arbeitsaufwand bewerten!

Vorgehensweise
Ein Student, welcher ein oder einige Semester an einer ausländischen Bildungsstätte absolvieren möchte, bemüht sich zunächst um ein "Information Package" dieser Einrichtung. Anhand des Information Package entscheidet der "zuständige Hochschullehrer" zusammen mit dem Studenten, welche Studienleistungen als Ersatz für heimatliche Lehrveranstaltungen zu erbringen sind. Diese Absprache ist übrigens auch der Hebel zur Absicherung des "Quality of Service", denn Spielregel ist: einmal vereinbarte und erbrachte Studienleistungen müssen auch anerkannt werden. Aber unbedingt diese Absprache mit den Dozenten treffen, denn bisher ist das ECTS kein verbindliches System, auf das man von Rechts wegen Anspruch hätte.

Zur Einschätzung des Arbeitsaufwandes dienen sogenannte Credits. Jede Studienleistung ist im Information Package mit einer bestimmten Anzahl von Credits ausgewiesen. Die Summe der Credits muß per Semester 30 ergeben, d.h. jedes Studienjahr wird mit 60 Credits veranschlagt. In Deutschland rechnet man mit SWS, den Semesterwochenstunden. Eine zweistündige Vorlesung in der Woche wird also mit zwei SWS veranschlagt, das entspricht umgerechnet drei Credits, also etwa 10 % des erforderten Arbeitsaufwands pro Semester.

Nach der individuellen Absprache des Lehrplanes bewirbt sich der Student an der ausgewählten Bildungsstätte mit einem (empfohlenen und standardisierten) Antragsformular. Die Partnerhochschule wird nun, im Falle der Zusage, zusammen mit der heimatlichen Hochschule ein "Learning Agreement" - ein Studienabkommen - erarbeiten, so nicht schon generell eine Zusammenarbeit besteht. Praktisch ist dies nichts anderes als ein Vertrag über die von der Partnerhochschule zu erbringende Ausbildungsdienstleistung. Der Student kann nun sein Studium entsprechend dem Studienabkommen an der Partnerhochschule fortsetzen.
Es liegt nahe, daß der Organisationsaufwand am geringsten ist, wenn bereits Beziehungen zur fraglichen Hochschule bestehen und Erfahrungen vorliegen. Der Student kehrt vom Auslandsaufenthalt mit einem "Transscript of Record" zurück, d.i. die Abschrift der absolvierten Studienleistungen zusammen mit den zugehörigen Credits und der Benotung. Die Anerkennung der Studienleistungen erfolgt nun anhand der im Transscript of Record aufgeführten Benotung seitens der heimatlichen Hochschule. Eventuell ist die Benotung bei unterschiedlichen Benotungssystemen noch entsprechend umzurechnen, bzw. anzupassen.

Informationen der Ludwig-Maximiliansuniversität München

Informationen auf dem Europa-Server



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