Probleme für Wanderarbeitnehmer beim Renteneintritt

Jeder Mitgliedstaat berechnet die Rente nach den bei ihm gültigen Regeln

Ich bin 59 Jahre alt und arbeite seit 25 Jahren bei einem Unternehmen in Frankreich. Vorher war ich 15 Jahre lang in Dänemark tätig. Im nächsten Jahr erreiche ich das französische Rentenalter. Ich habe erfahren, daß ich meine volle Rente erst ausgezahlt bekomme, wenn ich in Dänemark das Rentenalter erreicht habe. Verstößt das nicht gegen EU-Recht?

Die Sozialversicherungssysteme in der EU sind nicht harmonisiert. Dies gilt auch für die Rentenversicherung: Jeder Mitgliedstaat berechnet die Rente nach den bei ihm gültigen Regeln. Grundsätzlich gilt dabei: Zahlungen aus der Rentenkasse eines Landes erhalten Sie erst dann, wenn Sie das dort gültige Rentenalter erreicht haben.

Das Rentenalter ist von Mitgliedstaat zu Mitgliedstaat unterschiedlich festgelegt. In Frankreich erhalten Sie Ihre Rente mit 60, in anderen erst mit 65 oder sogar 67 Jahren. Dies kann für sogenannte "Wanderarbeitnehmer", die im Laufe ihres Berufslebens in mehreren Mitgliedstaaten gearbeitet und ihre Rentenbeiträge jeweils dort eingezahlt haben, zum Problem werden. Sie müssen Ihren Rentenantrag in dem Land stellen, in dem Sie zuletzt gearbeitet haben. Die Rentenversicherungsträger der Mitgliedstaaten, in denen Sie tätig waren, rechnen dann die geleisteten Beitragsjahre zusammen und zahlen anteilig Ihre Rente. Sie erhalten also den einen Teil Ihrer Rente von der dänischen, den anderen Teil von der französischen Rentenversicherung. Versicherungsjahre gehen Ihnen also nicht verloren.

Die einzelnen Versicherungsträger beginnen jedoch mit ihren Zahlungen, wenn nach ihren jeweiligen nationalen Regeln das Rentenalter erreicht ist - gleichgültig, ob der Betroffene inzwischen noch in einem anderen Mitgliedstaat gearbeitet hat.

Dies ist völlig unproblematisch für den, der zuletzt in einem Land mit verhältnismäßig hohem Rentenalter gearbeitet hat. In dem Land mit niedrigerem Rentenalter, in dem er zuvor gearbeitet hat, ist er bei seiner Antragstellung schon längst rentenberechtigt und erhält sofort seine Zahlungen.

Wer aber wie Sie zuletzt in einem Staat mit niedrigem Rentenalter arbeitet, bekommt zunächst nicht seine volle Rente ausgezahlt. Wenn Sie in Frankreich mit 60 in den Ruhestand gehen, werden Sie zunächst den französischen Anteil Ihrer Rente erhalten. Auf die Rentenzahlungen aus Dänemark müssen Sie dann noch fünf Jahre warten, denn in Dänemark liegt das Rentenalter bei 65 Jahren! Wären Sie vor dem 1.7.1999 sechzig geworden, läge das renteneintrittsalter gar bei 67 Jahren.

Der Rentenanteil von der dänischen Rentenversicherung erhöht sich während der Wartezeit natürlich nicht - Ihre Beitragszahlungen haben Sie mit dem Ende Ihrer Berufstätigkeit in Frankreich ja eingestellt, es kommen keine neuen Versicherungsjahre mehr hinzu. Problematisch wird dies vor allem für den, der im Land seiner letzten Beschäftigung nur für relativ kurze Zeit gearbeitet hat. Eventuell wird dann der ausgezahlte Rentenbetrag so gering, daß der Betroffene Sozialhilfe beantragen muß!

EU-Recht hilft hier wenig: Eine Harmonisierung der Sozialversicherungssysteme der Mitgliedstaaten ist auch für die Zukunft nicht geplant. Wer einen späten Arbeitsstellenwechsel ins EU-Ausland plant, sollte sich deshalb unbedingt nach dem Rentenalter des Landes erkundigen, in dem er seine Tätigkeit fortsetzen will!

Weitere Informationen

Caisse nationale d'assurance vieillesse (CNAV)
(Französische Pensionskasse - Allgemeine Auskünfte)
110, rue flandre
F-75019 Paris
Tel.: +33 5 41 37 44 05
http://www.cnav.fr
http://www.acoss.fr



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