Geldpolitische Strategie und Instrumente der EZB

Herausragende Bedeutung der Offenmarktgeschäfte

Geldpolitische Strategie und geldpolitische Instrumente
Preisstabilität hat der EZB-Rat als Anstieg des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) im Euro-Währungsgebiet von unter 2 % gegenüber dem Vorjahr definiert. Für das Erreichen der Preisstabilität hat der EZB-Rat eine Strategie festgelegt, die der Geldmenge eine herausragende Rolle zuweist. Dies erfolgte in Anlehnung an die bisherige Strategie der Deutschen Bundesbank, weil die Kontrolle der Geldmenge eine notwendige Bedingung für die Preisstabilität ist. Die Berücksichtigung der Geldmenge kommt in der Ankündigung eines quantitativen Referenzwertes für das Wachstum eines breiten monetären Aggregats M3 zum Ausdruck.

Parallel zur Analyse des Geldmengenwachstums nimmt der EZB-Rat eine Beurteilung der Aussichten für die Preisentwicklung und der Risiken für die Preisstabilität im Euro-Währungsgebiet vor. Für diese Beurteilung wird ein breites Spektrum wirtschaftlicher und finanzieller Größen als Indikatoren herangezogen. Im Juni und Dezember jeden Jahres veröffentlicht das Eurosystem diese Analyse in aggregierter Form als gesamtwirtschaftliche Projektionen.

Das Eurosystem ist für den Erfolg seiner Stabilitätspolitik jedoch auf die Mitwirkung der öffentlichen Haushalte und der Tarifpartner in den Teilnehmerländern der Währungsunion angewiesen. Die Europäische Zentralbank (EZB) und die nationalen Zentralbanken, die die Geldpolitik weitestgehend dezentral ausführen, verfügen über eine Reihe zins- und liquiditätsbeeinflussender geldpolitischer Instrumente, um das Ziel der Preisstabilität erreichen zu können.

Im Zentrum dieser geldpolitischen Instrumente stehen die sogenannten Offenmarktgeschäfte. Dabei wird zwischen Hauptrefinanzierungsgeschäften, längerfristigen Refinanzierungsgeschäften (Basistendern), Feinsteuerungsoperationen und strukturellen Operationen unterschieden. Die Hauptrefinanzierungsgeschäfte sind ein Mittel der Liquiditätsbereitstellung und werden im wöchentlichen Rhythmus mit 14-tägiger Laufzeit als sogenannte befristete Transaktionen ausgeschrieben. Diesem Instrument kommt eine Schlüsselrolle zu, da es dem Finanzsektor den größten Teil der Liquidität zur Verfügung stellt.

Die Liquiditätsbereitstellung mittels der längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte erfolgt ebenfalls über befristete Transaktionen. Allerdings werden diese Geschäfte nur in monatlichen Abständen ausgeschrieben. Die Laufzeit dieser Basistender beträgt 3 Monate. Feinsteuerungsoperationen werden nur von Fall zu Fall durchgeführt, um unerwartete Liquiditätsschwankungen auszugleichen.

Strukturelle Operationen können in regelmäßigen oder unregelmäßigen Abständen zur Anpassung der strukturellen Liquiditätsposition des Finanzsektors gegenüber dem Eurosystem genutzt werden. Als weitere Instrumente stehen dem Eurosystem zwei ständige Fazilitäten zur Verfügung, die dazu dienen, Liquidität kurzfristig bereitzustellen (Spitzenrefinanzierungsfazilität) oder zu absorbieren (Einlagefazilität). Die Zinssätze dieser beiden Instrumente stecken dabei die Ober- und Untergrenze der Geldmarktsätze für Tagesgeld ab.

Die genannten Instrumente werden durch das Mindestreserveinstrument ergänzt. Danach müssen die Banken bei den nationalen Zentralbanken Guthaben unterhalten, deren Höhe sich nach bestimmten Verbindlichkeiten richtet. Das zu diesem Zweck bei der Deutschen Bundesbank zu unterhaltende Guthaben wird zum Satz für die ESZB-Hauptrefinanzierungsgeschäfte verzinst.

Die geldpolitische Strategie der Europäischen Zentralbank
Am 13. Oktober 1998 gab der EZB-Rat die stabilitätsorientierte geldpolitische Strategie der EZB bekannt, die für die geldpolitischen Entscheidungen in der dritten Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) richtungweisend ist. Diese Strategie zeichnet sich durch drei Hauptelemente aus:
- eine quantitative Festlegung der Preisstabilität,
- eine herausragende Rolle für die Geldmenge, die in der Bekanntgabe eines quantitativen Referenzwerts für die Wachstumsrate eines breiten Geldmengenaggregats zum Ausdruck kommt, sowie um
eine auf breiter Grundlage erfolgende Beurteilung der Aussichten für die Preisentwicklung und der Risiken für die Preisstabilität im gesamten Euro-Währungsgebiet.



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