Sind die EU-Länder für eine Währungsunion nicht zu verschieden?

Wirtschaftliche und politische Integration bleibt wichtig

Im allgemeinen funktioniert eine gemeinsame Währung für zwei oder mehr Länder, wenn sich die Länder wirtschaftlich ähnlich sind. Dahinter steht der Gedanke, daß wirtschaftlich ähnliche Länder keine Wechselkursanpassungen vornehmen müssen, um plötzlichen Entwicklungen (zum Beispiel einer Rezession) entgegenzuwirken. Zwar stehen alle Mitgliedstaaten vor strukturellen Herausforderungen, doch sind diese im wesentlichen ähnlich gelagert. Nur ein gemeinsamer Ansatz zur Bewältigung dieser Herausforderungen nutzt den Mitgliedstaaten. In der Vergangenheit hatten wirtschaftliche Schocks wie zum Beispiel die Ölkrisen in den 70er Jahren divergierende wirtschaftliche Entwicklungen zur Folge.

Diese divergierenden Entwicklungen waren jedoch nicht in erster Linie auf die jeweiligen Schocks zurückzuführen, sondern vielmehr auf die unterschiedlichen politischen Antworten auf diese Schocks. In der Zeit der Ölkrisen war die wirtschaftliche Situation in den einzelnen europäischen Ländern außerdem sehr unterschiedlich, was ebenfalls zu einer divergierenden wirtschaftlichen Entwicklung beitrug. Obwohl die Möglichkeit länderspezifischer Schocks in der Zukunft nicht ausgeschlossen werden kann, gibt es mehrere Gründe, weshalb es nicht mehr so sehr erforderlich ist, diesen Schocks durch Wechselkursanpassungen entgegenzuwirken.

So hat zum Beispiel die wirtschaftliche und politische Integration der Mitgliedstaaten im Laufe der letzten zehn Jahre stark zugenommen. Ferner wird innerhalb der Euro-Zone das politische Handeln stärker koordiniert (zum Beispiel durch eine gemeinsame Geldpolitik). Dies sowie die wirtschaftliche Konvergenz in Europa (zum Beispiel bei der Inflation und den öffentlichen Finanzen) haben dazu geführt, daß Wechselkursanpassungen zur Stabilisierung der Wirtschaft wesentlich seltener geworden sind.

Die Mitgliedstaaten, die an der Euro-Zone teilnehmen, verlieren ihre Autonomie in der Durchführung der Geldpolitik. Die meisten EU-Länder haben aber schon - wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß - eine Einschränkung ihrer Souveränität in der Geldpolitik hingenommen, als sie dem Wechselkursmechanismus des Europäischen Währungssystems beigetreten sind. Das hat die nationalen Währungsbehörden schon in der Vergangenheit vor das Dilemma zwischen der Verfolgung ihrer Wechselkursziele und den Anforderungen der eigenen Volkswirtschaft gestellt. Ein solches Dilemma führte normalerweise zu Spekulationen mit den Währungen.

Die Abschaffung von Wechselkursen zwischen nationalen Währungen und die Realisierung einer einheitlichen Geldpolitik durch die Europäische Zentralbank innerhalb der Euro-Zone beseitigt dieses Dilemma, erhöht die Effizienz und stärkt die gemeinsame Souveränität der Geldpolitik. Die Mitgliedstaaten haben den Grundsätzen eines "Stabilitätspaktes" zugestimmt, der den Staaten, die an der Euro-Zone teilnehmen, mittelfristig das Ziel eines fast ausgeglichenen Haushaltes oder eines Überschusses vorschreibt.

Die Einführung von Schwellen für das Haushaltsdefizit und die Staatsverschuldung wird unter normalen Umständen die Möglichkeiten einschränken, die Haushaltspolitik als nationalen Anpassungsmechanismus innerhalb der Euro-Zone zu benutzen. Obwohl die Haushaltsdefizite sich in den teilnehmenden Mitgliedstaaten auch weiterhin je nach Konjunktur der Wirtschaft unterscheiden werden, wird der Handlungsspielraum für die Durchführung der Steuerpolitik eingeschränkt werden. Der Verlust des Instrumentes der Geldpolitik und der sinkende Handlungsspielraum für die Haushaltspolitik werden den wirtschaftlichen Anspassungsprozess verstärken.



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