Sprachen

24 Amtssprachen und drei Alphabete in der EU

In den 28 Mitgliedstaaten der Europäischen Union gibt es 24 verschiedene Amtssprachen und drei offiziell verwendete Alphabete. Zudem sprechen Europäer mehr als 60 regionale und Minderheiten-Sprachen. Zur europäischen Vielfalt tragen außerdem Einwanderer bei, die ihre Sprachen aus 175 Staaten der Welt nach Europa mitgebracht haben. Die Europäischen Institutionen übersetzen alle Dokumente mit Rechtskraft in alle 24 Amtssprachen. Die Kommission verwendet im internen Gebrauch drei Arbeitssprachen: Englisch, Französisch und Deutsch.

Im Herbst 2008 stellte die EU-Kommission einen Plan zur sprachlichen Vielfalt vor. Danach sollten möglichst viele EU-Bürger neben ihrer Muttersprache und Englisch künftig eine sogenannte «persönliche Adoptiv-Sprache» erlernen.

EU-Kommissar: Deutschland soll deutsche Sprache aktiver fördern

Deutschland sollte die deutsche Sprache nach Auffassung von EU-Sprachenkommissar Leonard Orban stärker fördern. «Von Seiten der deutschen Behörden sind mehr Geld und mehr Anstrengungen nötig, um für die deutsche Sprache zu werben», sagte Orban in Brüssel.

Auf wiederholte Kritik deutscher Politiker, die EU-Einrichtungen benachteiligten das Deutsche, erwiderte der Kommissar: «Die Förderung bestimmter Sprachen ist nicht die Aufgabe der Europäischen Kommission oder anderer EU-Institutionen.» Als eine von drei Arbeitssprachen der Kommission sei das Deutsche sogar privilegiert, meinte Orban.

Die Kommission sehe die Verteidigung der sprachlichen Vielfalt als Teil ihrer Aufgabe. Deshalb übersetze die Brüsseler Behörde alle entscheidenden Dokumente und Vorlagen. «Aber wir können die Beamten nicht zwingen, ein Dokument in Deutsch zu entwerfen, wenn sie nicht flüssig Deutsch sprechen», betonte Orban.

Deutschen Politikern habe er geraten: «Übernehmt das Beispiel der Franzosen!» Frankreich biete etwa kostenlose Sprachkurse für EU- Beamte, Diplomaten und Journalisten in Brüssel an. «Ja, dies ist ein Modell, das Schule machen kann und sollte», sagte Orban, der am Donnerstag ein Strategiepapier zur Mehrsprachigkeit vorlegen wollte.

Orbans neue Strategie sieht unter anderem vor, auch Menschen ohne höhere Bildung gewisse Grundkenntnisse in Fremdsprachen zu vermitteln. Für Berufstätige oder Arbeitssuchende könne es wichtig sein, einige Sätze oder kurze Texte in anderen Sprachen zu verstehen. Das Sprachenlernen dürfe nicht auf die Schule beschränkt bleiben.

Zum Beschluss der EU-Staats- und Regierungschefs aus dem Jahr 2002, wonach jeder Europäer von Kindesbeinen an zwei fremde Sprachen lernen soll, sagte Orban: «Es gibt Fortschritte, aber vieles kann und muss noch getan werden.» Fast die Hälfte der EU-Bürger - 44 Prozent - verstehe nach wie vor nur eine Sprache, ihre Muttersprache.Länderminister weist Kritik von EU-Sprachenkommissar zurück

Die Brüsseler Kritik an Deutschlands Sprachförderung stößt bei den Bundesländern auf Protest. Der EU- Sprachenbeauftragte der Länder, Baden-Württembergs Europaminister Wolfgang Reinhart (CDU), warf EU-Kommissar Leonard Orban vor, «sich aus der Verantwortung zu stehlen».

«Herr Orban lenkt vom eigenen Versagen ab», erklärte der Minister. Der Kommissar habe sein Versprechen, für eine Gleichbehandlung des Deutschen mit Englisch und Französisch zu sorgen, nicht erfüllt. Orban hatte die deutschen Behörden aufgefordert, nach französischem Vorbild kostenlose Sprachkurse für Brüsseler Funktionsträger anzubieten. Deutsch sei eine von drei Arbeitssprachen der Kommission. Er könne die Beamten aber nicht zwingen, Vorlagen auf Deutsch zu entwerfen, wenn sie Deutsch nicht gut beherrschten, sagte der Rumäne der Deutschen Presse-Agentur dpa.

«Offensichtlich ist Herr Orban nicht in der Lage, die bestehenden Widerstände in einzelnen Generaldirektionen der EU-Kommission gegenüber der gleichberechtigten Verwendung der deutschen Sprache zu überwinden», kritisierte Reinhart. Orbans Forderung sei zudem befremdlich, weil Bund und Länder seit Jahren kostenlose Deutsch-Intensivkurse für EU-Beamte anböten.

 

 

 

 

 

 

 



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