Zypern - Kypros/ Kibris

Zweigeteiltes Land

Zypern in Zahlen (Statistisches Bundesamt, 2002)

Fläche: 9.000 Quadratkilometer
Einwohner: 0,8 Millionen
Erwerbsquote: 70,9 Prozent
Arbeitslosenquote (2003): 4,4 Prozent
Durchschn. Bruttojahresverdienst (verarbeitendes Gewerbe): 15.982 EUR
Bruttoinlandsprodukt (2003): 12,0 Milliarden EUR
Bruttoinlandsprodukt (2003, pro Kopf in KKS): 18.930 KKS
Veränderung des BIP (im Verhältnis zum Vorjahr): + 2,0 Prozent
Inflationsrate (2003): 4 Prozent
Saldo des Staatshaushalts (in Prozent des BIP): - 3,5 Prozent
Staatsverschuldung (in Prozent des BIP): 58,6 Prozent

Abgeordnete im Europäischen Parlament (nach 13. Juni 2004): 6
Stimmen im EU-Ministerrat (ab 1. November 2004): 4
Zypern ist seit 1.5.2004 EU-Mitgliedstaat.


Politik
Zypern ist eine unabhängige und souveräne Republik mit einem Präsidialsystem.

1974 wurde ein Teil des Landes von der Türkei besetzt. Seither ist Zypern in einen griechisch-zypriotischen Teil im Süden und einen türkisch-zypriotischen Teil im Norden des Landes geteilt. Die "Türkische Republik Nordzypern" ist international nur von der Türkei als eigenständiger Staat anerkannt.

Die legislative Gewalt liegt beim Repräsentantenhaus. Ihm gehören 80 Mitglieder an, die nach dem Verhältniswahlrecht für eine Legislaturperiode von fünf Jahren direkt gewählt werden. 56 Abgeordnete sind griechische Zyprer und werden von der griechisch-zypriotischen Gemeinschaft der Insel gewählt; 24 Abgeordnetensitze stehen den türkischen Zyprern zu. Allerdings haben sich die türkisch-zypriotischen Abgeordneten seit der türkischen Invasion aus dem Repräsentantenhaus zurückgezogen. Wahlberechtigt sind alle Bürger über 18 Jahre.

Die Exekutivgewalt wird durch den Präsidenten ausgeübt, der in allgemeinen Wahlen für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt wird. Er regiert mit einem Kabinett von Ministern, die von ihm oder ihr ernannt werden. Sie dürfen nicht gleichzeitig Mitglieder des Repräsentantenhauses sein.

Zypern ist in sechs Verwaltungsbezirke aufgeteilt: Nikosia, Famagusta, Limassol, Paphos, Larnaka und Kyrenia. Jeder Bezirk wird von einem Bezirksbeamten geleitet, der der lokale Repräsentant der Zentralregierung ist.

Die Teilung der Insel in einen türkisch-zypriotischen und einen griechisch-zypriotischen Teil setzt sich auch bis in die Hauptstadt und den Regierungssitz der Republik Zypern, Nikosia, fort.

Wirtschaft
Von einem Exporteur von Agrargütern und Mineralien in den 60er Jahren und von gewerblichen Produkten in den 70er Jahren hat sich Zypern seit den 80er Jahren erfolgreich in eine Fremdenverkehrs- und Dienstleistungswirtschaft gewandelt. Das zyprische Pro-Kopf-Einkommen ist mit rund 15 200 ECU/Jahr vergleichsweise hoch.

Die Dienstleistungen machten 1994 einen Anteil von 70 Prozent des gesamten Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus, während die Industrie nur 23 Prozent erwirtschaftete. Seinen wirtschaftlichen Erfolg verdankt Zypern nicht zuletzt dem Tourismus: Rund 2,1 Millionen Auslandsgäste besuchten das Land 1994.

Wegen der beschränkten Ausmaße des Inselmarktes ist der wirtschaftliche Fortschritt Zyperns in großem Maße vom Export abhängig. Die wichtigsten Exportgüter liefern die Bekleidungsindustrie, auf die 50 Prozent aller Exporte entfallen, und die Schuhindustrie, die 17 Prozent der Gesamtexporte ausmacht.

Eine wichtige Rolle spielt auch die Landwirtschaft, in der 1994 6 Prozent des BIP erwirtschaftet wurden. Auf Zypern werden vor allem Getreide, Kartoffeln, Gemüse und Zitrusfrüchte angebaut.

Zypern ist außerdem eines der Zentren der internationalen Schiffahrt und besitzt weltweit das fünftgrößte Schiffsregister.

Landeswährung ist das Zypern-Pfund (CYP).

Geographie
Mit einer Größe von 9 251 km² ist Zypern nach Sizilien und Sardinien die drittgrößte Insel des Mittelmeers. Dabei umfaßt das griechisch-zypriotische Gebiet 5 896 km², das türkisch-zypriotische Gebiet 3 355 km². Von Osten nach Westen hat Zypern eine Länge von 240 km, von Norden nach Süden ist es höchstens 100 km breit.

Zypern befindet sich am nordöstlichen Ende des Mittelmeers. Es liegt 380 km nördlich von Ägypten, 105 km westlich von Syrien und 75 km südlich von der Türkei. Das griechische Festland ist etwa 800 km in westlicher Richtung entfernt.

Zypern hat eine felsige Küstenlinie, die reich an Buchten ist und lange Strände aufweist. Entlang der Nordküste erhebt sich eine steile Gebirgskette, die eine Höhe von 1 024 m erreicht. Im Südwesten erstreckt sich ein ausgedehntes Bergmassiv, dessen höchste Spitze der Olympos mit 1 952 m ist. Im Osten liegt die Ebene von Messaoria und im Westen das fruchtbare Morphou-Becken.

Zypern hat zwei Salzseen. Insgesamt ist das Land eher trocken: Rund 21 % des landwirtschaftlich genutzten Bodens müssen bewässert werden.

Bevölkerung
Auf Zypern leben derzeit etwa 800 000 Einwohner. Damit gehört das Land zu den bevölkerungsmäßig kleinsten Ländern Europas. Seit der türkischen Invasion wurden viele griechische Zyprioten aus ihren Heimatorten vertrieben. 1995 gab es auf Zypern noch 265 000 Binnenflüchtlinge.

Den Großteil der Bevölkerung stellen mit 82 Prozent die griechischen Zyprioten, während die türkischen Zyprioten nur rund 15 Prozent ausmachen. 3 ProzentEinwohnern/km² relativ niedrig.

Die größte Stadt der Insel ist mit 191 000 Einwohnern Lefkosia (Nikosia).

Die griechischen Zyprer gehören der griechisch-orthodoxen Kirche an. Ihre Sprache ist Griechisch. Die türkischen Zyprioten sind Moslems und sprechen Türkisch. Die Verkehrssprache Zyperns ist Englisch - die Insel war britische Kolonie.

Nordzypern
Finanzhilfen und neue Handelsregeln für Nordzypern
hat die EU-Kommission im Juli 2004 vorgeschlagen. Beim Handel mit
Waren aus dem nördlichen Teil der Insel solle die EU «wie mit einem
Drittland» verfahren, sagte Erweiterungskommissar Günter Verheugen in
Brüssel. Bisher wird der mehrheitlich von türkischstämmigen Zyprern
bewohnte Inselteil völkerrechtlich nur von der Türkei anerkannt.

Für einen EU-Beschluss zum Handel mit dem Norden Zyperns sei im
Ministerrat keine Einstimmigkeit nötig, meinte Verheugen. Der Südteil
der Insel, der überwiegend von griechischstämmigen Zyprern bewohnt
wird und seit dem 1. Mai 2004 zur EU gehört, könnte eine solche
Entscheidung demnach nicht verhindern. Die Kommission schlug außerdem
vor, die wirtschaftliche Integration des nördlichen Inselteils mit
einer Finanzhilfe in Höhe von 259 Millionen Euro zu fördern.

«Da die türkisch-zyprische Volksgruppe in beeindruckender Weise
ihre Unterstützung für den UN-Plan zur Wiedervereinigung Zyperns
demonstrierte, wäre es unfair gewesen, sie außen vor zu lassen»,
sagte Verheugen. Die Wiedervereinigung der Insel scheiterte, weil die
griechisch-zyprische Volksgruppe den Plan am 24. April 2004 ablehnte.



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