Estland - Eesti

1991 erlangte Estland seine nationale Unabhängigkeit wieder

Estland in Zahlen (Statistisches Bundesamt, 2002)

Fläche: 45.000 Quadratkilometer
Einwohner: 1,4 Millionen
Erwerbsquote: 68,2 Prozent
Arbeitslosenquote: 10,1 Prozent
Durchschn. Bruttojahresverdienst (verarbeitendes Gewerbe): 3.891 EUR
Bruttoinlandsprodukt (2003): 7,4 Milliarden EUR
Bruttoinlandsprodukt (2003, pro Kopf in KKS): 10.230 KKS
Veränderung des BIP (im Verhältnis zum Vorjahr): + 4,4 Prozent
Inflationsrate (2003): 1,4 Prozent
Saldo des Staatshaushalts (in Prozent des BIP): + 1,3 Prozent
Staatsverschuldung (in Prozent des BIP): 5,8 Prozent

Abgeordnete im Europäischen Parlament (nach 13. Juni 2004): 6
Stimmen im EU-Ministerrat (ab 1. November 2004): 4
Estland ist seit 2004 EU-Mitgliedsstaat.


Politik
1991 erlangte Estland seine nationale Unabhängigkeit wieder. Die neue Staatsverfassung trat nach einer Volksabstimmung am 3. Juli 1992 in Kraft. Estland wurde damit zu einer parlamentarischen Demokratie.

Die gesetzgebende Gewalt liegt beim Parlament " Riigikogu", das aus nur einer Kammer besteht. Es kann ebenso wie die Regierung Gesetzesvorschläge einbringen. Die 101 Abgeordneten werden für eine Legislaturperiode von vier Jahren nach dem Verhältniswahlrecht gewählt. Wahlberechtigt ist jeder Bürger mit der Vollendung des 18. Lebensjahres.

Staatsoberhaupt ist der Präsident der Republik, der vom Parlament für vier Jahre gewählt wird. Er repräsentiert den Staat, ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte und hat darüber hinaus weitreichende Befugnisse. Vom Parlament verabschiedete Gesetzesvorlagen können nur nach Unterzeichnung durch den Präsidenten in Kraft treten. Er ernennt die Regierungsmitglieder und unterbreitet dem Parlament seine Vorschläge zur Ernennung des Vorsitzenden des Obersten Gerichtshofes. Ferner kann er dem Parlament Verfassungsänderungen vorschlagen. Unter bestimmten Voraussetzungen ist der Präsident zur Auflösung des Parlaments befugt.

Der Ministerpräsident wird vom Staatspräsidenten ernannt und vom Parlament bestätigt, bevor die neue Regierung gebildet wird. Der Staatspräsident kann auf Vorschlag des Ministerpräsidenten Minister entlassen. Die Minister sind persönlich gegenüber dem Parlament verantwortlich.

Das Parlament kann zu allen Fragen, die seiner Meinung nach wichtig sind, eine Volksabstimmung beschließen.

Verwaltungsmäßig ist das Land in 15 Landkreise eingeteilt, an deren Spitze ein von der Regierung ernannter Gouverneur steht. Außerdem ist Estland in 254 Selbstverwaltungseinheiten (vald) (45 Städte und 209 Gemeinden) gegliedert.

Hauptstadt und Regierungssitz ist Tallinn.

Wirtschaft
Wie auch in anderen osteuropäischen Staaten brach die estnische Wirtschaft nach den Umbrüchen in Osteuropa Anfang der 90er Jahre in weiten Teilen zusammen. Nicht zuletzt aufgrund konsequenter wirtschaftlicher Reformen ist jedoch seit einigen Jahren wieder ein stetiger Aufschwung zu verzeichnen.

Die wirtschaftliche Entwicklung wird vor allem von Handel und Dienstleistungsgewerbe getragen, die derzeit bereits mit rund zwei Dritteln zum gesamten Bruttoinlandsprodukt (BIP) beitragen. Die estnische Industrie dagegen ist während des Reformprozesses stark geschrumpft und erwirtschaftet inzwischen weniger als 20 % des BIP. Die wichtigsten estnischen Industriebereiche sind die Lebensmittelindustrie, das Textil- und Bekleidungsgewerbe sowie die Holzherstellung.

Der Privatisierungsprozeß schreitet in Estland schnell voran. Immerhin 60 Prozent des gesamten Bruttoinlandsprodukts wurden 1995 von privaten Unternehmen erwirtschaftet. Auch die Privatisierung der Großunternehmen ist schon weit fortgeschritten.

Die Landwirtschaft war traditionell einer der wichtigsten Sektoren der estnischen Wirtschaft. Produzierte sie noch vor wenigen Jahren 20 % der wirtschaftlichen Gesamtleistung, erwirtschaftet sie heute nur noch rund 8 Prozent der Bruttowertschöpfung und beschäftigt 7 Prozent der Arbeitskräfte.

1997 gehörten zu Estlands wichtigsten Exportgütern Anlagen und Geräte (16 Prozent), landwirtschaftliche Produkte (14 Prozent), Textilien (13 Prozent), Holz und Holzerzeugnisse (12 Prozent). Estland hat seinen Außenhandel in den letzten Jahren konsequent auf die westeuropäischen Märkte ausgerichtet; über zwei Drittel seines Außenhandels wickelt es heute mit der Europäischen Union ab. Die wichtigsten Handelspartner des Landes sind Finnland mit einem Anteil von 25 Prozent am gesamten Außenhandel und die Russische Föderation mit einem Anteil von 20 Prozent.

Ein wichtiger Standortvorteil Estlands liegt in seinen tiefen und im Winter nahezu eisfreien Häfen.
Landeswährung ist die estnische Krone (EEK).

Geographie
Estland ist mit einer Fläche von 45 227 km² die kleinste und nördlichste der drei baltischen Republiken. Die längste Ausdehnung von Ost nach West beträgt 350 km und von Nord nach Süd 240 km.

Estland grenzt an die Ostsee und hat nur zwei Nachbarn: Lettland im Süden und die Russische Föderation im Osten. Entsprechend ist die Küste mit 3 794 km um ein Vielfaches länger als die Landesgrenzen, die insgesamt nur 633 km betragen. Estlands Nachbarn jenseits der Ostsee sind Schweden und Finnland, das nur 80 km über den Finnischen Meerbusen entfernt ist.

Die estnische Landschaft wird von Wasser beherrscht: Meer, Seen und Sümpfe. Über 1 400 Seen und 1 500 Inseln - die größten sind Saaremaa mit 2 634 km² und Hiiumaa mit 989 km² - prägen das Bild.

43 Prozent der Landesfläche sind von Wäldern bedeckt. Damit ist Estland eines der am dichtesten bewaldeten Länder Europas.

In dem baltischen Staat liegt auch die höchste Erhebung des zum größten Teil sehr flachen Baltikums: Der Suur-Munamägi, der eine Höhe von gerade 318 m erreicht.

Bevölkerung
Estland hat etwa 1,4 Millionen Einwohner, und die Bevölkerungsdichte ist mit 33 Einwohnern/km² für Europa sehr gering.

Die Bevölkerung ist sehr ungleich im Land verteilt. Rund 70 % aller Esten wohnen in Städten. Allein in der Hauptstadt Tallinn lebt fast ein Drittel (420 000) der estnischen Bevölkerung.

Die Bevölkerung Estlands besteht überwiegend aus zwei Volksgruppen: 65 Prozent sind Esten und 28 Prozent Russen. Weniger als 3 Prozent sind Ukrainer. Weißrussen, Finnen, Deutsche und sonstige machen die restlichen 5 Prozent aus.

Die größte estnische Glaubensgemeinschaft ist die evangelisch-lutherische Kirche. Aufgrund des hohen russischen Anteils an der Gesamtbevölkerung ist aber auch die orthodoxe Kirche von Bedeutung.

Die Amtssprache ist Estnisch.



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